Willi Bredemeier

Der Autor, verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkelkinder, wurde 1940 oberhalb einer Kneipe mit Dortmunder Kronen-Bier in einer Bergarbeiterkolonie mit Bewohnern vorwiegend polnischen Migrationshintergrundes geboren. Nach einigen Jahren auf einem Bauernhof an der Grenze zwi¬schen Preußen und dem Königreich Hannover kehrte er ins Ruhrgebiet zurück, um als erste Fremdsprache Hochdeutsch zu lernen. Aus Engagements in der Akzidenzsetzerei, in der Versicherungswirtschaft und auf diversen Hilfsarbeiterpositionen brachte er Vorbehalte gegen kör¬perliche Tätigkeiten und fremdbe¬stimmtes Arbeiten mit. Der zweite Bildungsweg, den er letztlich ent¬gegen allen Wetten erfolgreich beschritt, führte ihn über die Lokal-, Sport-, Politik- und Wirtschaftsberichterstattung der Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen in die Vorhöfe der Entscheidungszentren der Ruhrgebietspolitik. Parallel dazu nahm er an der 68er Studentenrevolte teil, durchwanderte den Karriereweg eines wissen¬schaftlichen Assistenten und sollte als Geschäftsführer einer Agentur für Technologietransfer an den Hochschulen des Ruhrgebiets das Ruhrgebiet retten. Was daraus wurde, lässt sich besonders gut im nördlichen Ruhgebiet ersehen.

1983 wurde der Autor freiberuflich tätig und verdiente sein Geld, nach¬dem sein erstes Geschäftsmodell nicht geklappt hatte, mit Texten – dies in den Bereichen Zeitschriftenentwicklung und -gestaltung (darunter zwei Ruhrgebietszeitschriften), Marktforschung (darunter zwei lang¬jährige Flaggschiffprojekte im Auftrag der Europäischen Kommission und des Bundesministeriums für Wirtschaft) sowie Public Relations.

Die Fachzeitschrift Password mit dem Berichterstattungsschwerpunkt „Kommerzielle Informationsdienste im Internet“ erschien von Beginn an unter seiner Redaktion und wurde 1998 von ihm von der Verlagsgruppe Handelsblatt käuflich erworben. Seit mehreren Jahren ist sie nicht nur ein Printorgan, sondern auch eine werktäglich erscheinende elektronische Zeitung. Sie befindet sich nunmehr im 28. Erscheinungsjahr. Neben ungezählten Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften hat der Autor diverse Bücher verfasst und herausgegeben, darunter zur Lohnpolitik, Innovationspolitik, Integration türkischer Arbeitnehmer, Marktentwicklung elektronischer Informationsdienste in Europa, Marktentwicklung Telekommunikation, Informations- und Kommunikationstechnik, E-Commerce in Deutschland und zu Zukunftschancen wissenschaftlicher Bibliotheken.

2010 gewann er den Short-Story-Wettbewerb „Kreatives Alter“ in Zürich. Das hier vorgelegte Buch ist sein erstes größeres Werk aus der Welt der Fiktion. In ihm hat er den Protagonisten mit seinen Erinnerungen an eine extrem bildungsfeindliche Bundesrepublik, in der um jeden Lesestoff gekämpft werden musste, ausgestattet. Das gilt auch für seine Teilhabe an mehr als einem halben Jahrhundert Niedergang, Stagnation und Entwicklung des Ruhrgebiets. Aus seiner Sicht ist das Ruhrgebiet immer hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben. Er führt dies auf eine weitgehende Monopolisierung poli¬tischer, wirtschaftlicher und kultureller Strukturen und das Fehlen einer Neuerungskultur zurück.

 


 

Bredemeier, W.: Ein Anti-Heimat-Roman. Bildungsreisen durch ein unbekanntes Land. Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin, (2014). Buchbesprechung von Walther Umstätter.

Wer den ersten oder zweiten Weltkrieg überlebt, vielleicht auch Gefangenschaft überstanden hat, wusste nicht nur was Heimweh ist, Heimat und alle die darin zurück blieben erschien insbesondere den jungen Soldaten verteidigungswürdig – ob sie wollten oder nicht, denn sonst wären ihre Opfer sinnlos gewesen. Was den meisten Menschen in der heutigen Globalisierung begrifflich nur schwer definierbar und nachvollziehbar ist, war den Heimatvertriebenen und Entwurzelten völlig selbstverständlich. Der heimatliche Werteverlust begann, als man anfing sich über Heimatfilme lustig zu machen. Der Hölle gegenüber, die nicht nur die jungen Landser an der jeweiligen Front durchlebten, erschien die Erinnerung an die Heimat wie ein Paradies. Natürlich war sie für die Zurückgebliebenen keinesfalls so paradiesisch, insbesondere im Ruhrgebiet war sie das weder vor, während noch nach dem zweiten Weltkrieg, wo insbesondere beim Wiederaufbau sich alle freuten, dass die Schornsteine endlich wieder rauchten. Da war bei genauer Betrachtung die Heimatidylle eher eine andere Hölle, die sich hier aus der recht sarkastischen Sicht des Pseudonyms Gerd Arntz in Plattdeutsch entwickelt, und nicht im bekannteren österreichischen Anti-Heimatroman-Stil. Außerdem ging es früher in den Anti-Heimatromanen meist um die Industrialisierung, während es hier bereits um die Folgen der Postindustrialisierung und dem wachsenden Bedarf an Schulbildung für die kommende Informations- und Wissenschaftsgesellschaft geht. Die Bildungsreise von Gerd Arntz von der Zwergschule in Grotebühl bis zum Doktor, der sich mit dem „kritischen Irrationalismus“ beschäftigt, macht deutlich, welch ein Vabanquespiel die Bildungspolitik in Deutschland bislang war. Arntz hat es bis zum Verleger einer Zeitschrift gebracht, während unzählige seiner Wegbegleiter auf der Strecke bleiben mussten. Auch bei ihm hing es, wie bei allen, die von unten kommen, zeitweise am seidenen Faden, wenn er schreibt: „Vielen Dank, Herr Physiklehrer, Sie haben mir das Leben am Abendgymnasium unserer Stadt gerettet. (S. 293). Darum ist Bredemeiers Fazit auf S. 480, dass er in „eine extrem bildungsfeindliche Bundesrepublik, in der um jeden Lesestoff gekämpft werden musste“, hinein geboren wurde.

Ein bisschen erinnert Gerd Arntz in seiner fanatischen Liebe zu Büchern an den blechtrommelnden Oskar Matzerath, auch wenn Oskar sein lesen und schreiben für sich behält, und recht begrenzt auf die Vorbilder Rasputin und Goethe beschränkt ist, während Gerd dafür gehänselt wird, alles zu lesen, was ihm „unter die Finger kommt“ (S. 145). Sicher wird das vorliegende Buch nicht den Bekanntheitsgrat der Blechtrommel erreichen, denn „Die explizite Beschreibung des Geschlechtsverkehrs stellt dieses Buch [Die Blechtrommel, nach Meinung seiner Klassenlehrerin] außerhalb jeder Literatur.“ (S. 295), während Bredemeiers Anti-Heimat-Roman noch eher im Rahmen des normalen bleibt, und für wirkliche Bestseller braucht man viel mehr Sex and Crime.

Arntz liest querbeet, alles was ihm vor die Flinte kommt, so dass er im Laufe der Zeit erkennt, was in Goethes Sinne mehr zu Genuss und Belebung dient, und welche Autoren er als „Säulenheilige“, wie Th. Kuhns identifiziert. Wenn er sich aber berechtigt wundert, warum Kuhns Werk in etlichen Disziplinen nicht zur Kenntnis genommen wird, so kann hier angemerkt werden, dass Kuhn 1965 eine Little Science beschrieben hat, die inzwischen weitgehend von der Big Science abgelöst worden war, was viele Wissenschaftstheoretiker, bis heute nicht zur Kenntnis nehmen wollen

Unter dem Aspekt, den Bildungserwerb einer neuen Generation zu beobachten und zu hinterfragen ist dieses Buch höchst interessant. Ob im Elternhaus, in der Schule, dem Freundeskreis oder Poppers Welt 3, jede Generation wächst unter neuen Bedingungen auf. Schon der Versuch G. Hauptmanns, mit den Webern deutlich zu machen, wie ein technologischer Umbruch menschliche Existenzen zerstört, kann trotz seiner ganzen Dramatik, als misslungener Versuch angesehen werden, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, wenn man sich daran erinnert, wie sich in unseren Schulen Lehrer und Schüler immer wieder über die skrupellosen Fabrikanten ereiferten, obwohl sie damit am eigentlichen Drama völlig vorbei diskutierten, denn die Ursache der Mechanisierung und ihrer Folgen traf nicht nur die Weber selbst, sondern auch die, die ihre Erzeugnisse zu verkaufen versuchten. Die Automatisierung mit Hilfe der Webstühle war bereits die Vorstufe von Jacquard, von Lochkarten und Computern bis hin zu unseren smarten Robotern von heute. Die Schuldigen am Leid der Weber, waren weder die Erfinder der Dampfmaschine, noch die Fabrikanten, sondern diejenigen, die die Weber in diesen sinnlosen Wettbewerb mit den mechanischen Webmaschinen schickten, so wie der Berufsberater, der auf die Bemerkung, „Der Junge liest gern“ sagt, „Dann sollte er Schriftsetzer werden“, (S. 160). Damit wurden viele Jungen dieser Generation ebenso in die absehbare Arbeitslosigkeit geschickt, wie die im Kohlebergbau, dessen Zechen bald danach reihenweise schlossen.

Bei Bredemeier geht es um die grundsätzlich gleiche Problematik, wie bei den Webern und ihrer fehlenden Umschulung, aber nun am Beginn des Informationszeitalters. Mit Recht hatte schon Norbert Wiener, der Begründer der Kybernetik (1943), die Gewerkschaften nach dem zweiten Weltkrieg vor den Veränderungen in unserer Gesellschaft durch die Robotik gewarnt. Denn schon damals war klar, was viele Menschen heut noch immer nicht wahr haben wollen, die Roboter übernehmen schrittweise immer mehr Aufgaben der Agrar- und Industriegesellschaft, der Medizin, Altenpflege, der Massenmedien und wahrscheinlich auch der Rentnerversorgung, auch wenn es immer zwei Parteien gibt, die, die sich dieser Herausforderung stellen, und die, die sie so lange bremsen und klein reden, solange es ihr Vorteil ist.

Was Gerd Arntz als analytischer Beobachter dieses Umbruchs dabei beobachtet, sind die Interessenverschiebungen und die strukturellen Veränderungen, auch wenn das auf rund fünfhundert Seiten differenzierter geschieht, als bei Hauptmann. Außerdem geht es thematisch nebeneinander darum: „In der Landwirtschaft hat die Maschinisierung eingesetzt. Mähmaschine, Kartoffelroder und Traktor werden in kürzestmöglichen Abständen eingeführt.“ (S. 101); „Ohne dass dies einer zur Kenntnis genommen hätte, hat die Bildungsrevolution sogar auf dem Land eingesetzt.“ (S. 117); „Glücklicherweise hat die Maschinisierung der Haushalte eingesetzt. Jetzt muss die gnädige Frau selbst in die Küche.“ (S. 118) – und sie muss oder darf immer öfter auch den Männern den Beruf streitig machen, können wir heute rückblickend hinzufügen.

Eigentlich konnte man schon damals erkennen, dass die größte Revolution darin liegt, dass immer mehr Mädchen und Jungen Abitur machen, und studieren, während die Klassenlehrerin von G. Arntz meint: „In der Bundesrepublik besitze weniger als jeder zehnte Bürger das Abitur.“ (S. 283), und auch erkennen lässt, dass das so bleiben müsse. Nun konnte damals nicht jeder wissen, dass D. J. de Solla Price bereits erkannt hatte, dass sich die Zahl der Menschheit mit nur 50 Jahren Verdoppelt, während die der Wissenschaftler mit einer Verdopplungsrate von nur 20 Jahren wächst. Damit kann man sich ausrechnen, wann in dieser Welt fast alle Menschen Wissenschaftler sind. Auffällig ist dabei nur, dass immer mehr Bildungspolitiker von Elite, von Exzellenz und von Spitzenforschung sprechen, je weiter die Big Science nun auch den geistigen Durchschnittsbürger unausweichlich in sich aufgesaugt.

Arntz hat „die Lust am fröhlichen Fabulieren“ (S.290), die er im Lesen und Schreiben auslebt, wobei vieles dessen, was hier beschrieben wird, zu realistisch ist, um es als Satire zu bezeichnen, trotzdem liest sich diese Bildungsreise unterhaltsam wie eine Satire.

Apropos Bildungsreise, dass Goethes Faust in der jungen Bundesrepublik Deutschland unumstritten an der Spitze des deutschen Bildungskanons stand, ist sicher richtig, aber insofern bemerkenswert, als etliche der damaligen Deutschlehrer inzwischen gern etwas moderneres an seine Stelle gestellt hätten. So entsinne ich mich, dass auch meine Deutschlehrerin das essentielle des Faust nicht besonders interessierte. Sie hatte ihn nicht verstanden. Denn es war eine der wichtigsten Erkenntnisse Goethes, dass Menschen im Wissensgewinn vier Phasen durchlaufen, das Streben, den Genuss, die Resignation und die Gewohnheit. Er hat das in einem Brief 1801 an Schiller angesprochen, wobei Schiller als Professor für Geschichte, erkannte, dass das nicht nur für Einzelpersonen gilt, sondern auch für historische Abläufe insgesamt. Der faustische Mensch, als Gedankenexperiment, ist der ewig nur nach Erkenntnis strebende, nach dem er in der Osternacht seine tiefste Resignation überlebt hatte, weil er erkannte, dass er mit immer mehr Wissen auf ein immer größeres Meer der Unwissenheit hinaus blickte. Bei Arntz lautet diese Erkenntnis so: „Je mehr wissenschaftliche Marktnischen ich mir zu Eigen mache und je häufiger ich einen Zeh in andere Fachbereiche setze, desto mehr Löcher und Widersprüche entdecke ich.“ (S. 370). Fausts Pendant, Wagner, glaubt dagegen in seiner Naivität noch eines Tages alles wissen zu können, und macht sich mit dem Satz lächerlich „Zwar weiß ich viel, doch möcht ich alles wissen.“ Es ist ein großes Problem, in den Schulen und Hochschulen, dass sich die Lehrer leichter auf das Niveau der Schüler, als die Schüler das der Lehrer begeben. In den Worten Bredemeiers heißt das z.B., „dass der Lehrer die Rolle eines Fähnleinführers übernimmt.“ (S. 287). Es ist richtig, „Faust ist eine Liebesgeschichte“ (S. 297), weil Goethe wusste, „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.“, und so bringt auch Bredemeier vieles, was manchem etwas bringen dürfte.

  


 

Leseprobe aus Willi Bredemeier: „Ein Anti-Heimat-Roman – Bildungsreisen durch ein unbekanntes Land 1943-2014“ S. 295

„Klaus drucktst herum. „Vielleicht könnten wir Karl Marx durchnehmen“, sagt er. „Nein, nein“, sagt unsere Deutschlehrerin. „Mit Leuten wie denen wollen wir nichts zu tun haben.“

Ein einziges Mal gewinnen wir den Eindruck, dass unsere Deutschlehrerin den Bildungskanon nach unseren Wünschenverändern möchte. Jedenfalls fragt sie, was wir zusätzlich zu den von ihr verordneten Werken gelesen haben. Ausnahmsweise schneide ich besser als meine Mitschüler ab, weil ich überhaupt etwas anderes gelesen habe, wenngleich vor meiner Zeit am Abendgymnasium. Ich gebe Günther Grass, Die Blechtrommel, an. Meine Klassenlehrerin ist schockiert. Die explizite Beschreibung des Geschlechtsverkehrs stellt dieses Buch außerhalb jeder Literatur.

Wir verstehen. Der verordnete Bildungskanon bleibt unverändert erhalten. Es ging unserer Lehrerin lediglich um den Nachweis, wie weit entfernt wir vom Reich des Geistes trotz unermüdlicher Anstrengungen unserer Klassenlehrerin geblieben sind...“

Aktuelles

Ich bin ein Bibliothekar

Gotthold Ephraim Lessing war einer. Er gab der Wolfenbüttler Bibliothek das Gesicht eines Lern- und Wissenszentrum. Antonio Panizzi formte das British Library Museum zu der effektiv arbeitende British Library um und gab ihr ein prägendes Gebäude. Benjamin Franklin mit seinen Vorschlägen zur Systematik förderte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in Frankreich und Gallardo legte die ersten Grundlagen für ein von Aufklärung und Liberalismus getragenes Bibliothekswesen in Spanien. Leider musste er diese Ideen mit zeitweiligen Gefängnisaufenthalten bezahlen, anders als die Bibliothek für Ausländische Literatur in der Sowjetunion, in der eine große Anzahl verdächtiger Intellektueller für Jahre vor der Perestroika Arbeit und Schutz fanden. Die Lebenskrise der Bibliothekare in der Bundesrepublik wurde von Rainer Strzolka traurig und komisch dokumentiert in: Der Bibliothekar – ein Monodrama, von den slowenischen Kollegen mit Vergnügen übersetzt.

Bibliotheken bildeten immer den Hintergrund kultureller Blüte, wie die Übersetzungsschulen in Toledo, die gleichzeitig die ersten Leihzentrale bildeten und damit die Klöster des frühes MA mit Wissen und Möglichkeiten des Studiums ausstatteten. Daher ist es kein Wunder, dass die Bibliothek von Alexandria vor einigen Jahren neu aufgebaut, zu einem nationalen Erbe Ägyptens wurde, die in der Revolution vor einigen Jahren von allen Bewohnern geschützt wurde, wie David Lankes in Erwarten Sie mehr, 2017 berichtete.

Es waren Bibliothekare, die im Hintergrund, sehr oft intensiv ihrer Aufgabe verpflichtet, in das Zentrum des Interesses rückten. Graue Maus oder Literaturluder, das Bild der Bibliothekarin in der Belletristik ausgewählter Länder nennt Cornelia Fix ihre 2008 erschienene BA- Arbeit. Dieser Trend wurde durch Veröffentlichungen und andere Medien verstärkt, die das Bild der Bibliothekarin zeichneten, sehr oft mit einer leicht negativen Tendenz, altmodische, nicht zeitgemäß, oft komisch. Hemdesusen, diesen Titel erhalten sie in einem Bericht über einen Kongress öffentlicher Bibliotheken in den 50er Jahren.

Veröffentlichungen und Kommissionen über das Berufsbild folgten auf Kongressen und Tagungen. Altmodischer Habitus bestimmten den Ton des Unzeitgemäßen dieser Berufsgruppe von der Kritik bis hin zur persönlichen Beleidigung. Als die Informationswissenschaft begann die Informationsvermittlung zu erobern und Ideen eines sich lohnenden Marktes das erste große staatliche Förderprogramm in der Bundesrepublik bestimmten, nivellierte sich in vielen Ländern weiter der Ruf der Bibliotheken zu veralteten unbrauchbaren Einrichtungen, besonders des Personals, das diesem neuen Zeitgeist und rapiden Entwicklung nicht gewachsen sei.

Der smarte Manager hielt Einfluss. Eingangs heftig beklatscht, wie der unglückselige Manager von Bertelsmann mit seinem Preisgesang auf die totale und kontrollierte Beherrschung der geistigen Welt, besonders der Musik durch das Internet in einer internationalen Tagung in Berlin in den neunziger Jahren.

Guten Tag haben Sie Bücher dagegen, dieses Tagebuch einer öffentlichen Bibliothek in Berlin-Marzahn zeichnet die unermüdliche Informationsarbeit seines Personals für jedermann bis hin Einrichtung von Schreibwerkstätten.

Und dann kam Corona !!! und bürdete alle Fehler der Vergangenheit, fehlende Informationsarbeit etc. Familien, Frauen, Kindern und der ärmeren Bevölkerung auf.

Folgen noch unbekannt.

Nun diese Satire.

Eine altbacken scheinende Beschreibung eines

Menschen, der diesen Beruf liebt und mit ihn tief zufrieden ist. Administrativen Aufgaben wie Rechnungslegung etc unterzieht er sich ohne Widerspruch. Nur die Absurdität der neuen Aufgaben einer smarten Managerin unter der Zerstörung seiner für die Bibliothek so wichtigen Kompetenzen erkennt er nicht. Oder doch???

Die neue Managerin erreicht schnell ihr Ziel. Sie wird auf eine neue Stelle in Brüssel berufen. Er wird ihr Nachfolger.

Wir wollen ihn nach Deutschland einladen für Lesungen und Begegnungen. Er spricht Deutsch. Die Diskussion über die Corona Krise zeigte deutlich, dass politisch das Potential der Bibliotheken nicht gesehen und eingesetzt wird.  Warum nicht? Versuchen wir es doch mit einer Satire:

Wir würden gerne Herrn Christer Hermansson zu einer Lesung/ Veranstaltung einladen und könnten einen Antrag auf Förderung der Reisekosten stellen. Wir brauchen einen Partner. Wer hat Interesse??? Angedachter Termin Ende Jan/Februar 2021.

Rufen Sie uns an unter 030-44739575 oder schicken Sie uns eine Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Kontakt: Telefonisch 030 44739675 oder per email: infoBitte melden unter 030 – 44739575 oder per email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder auch postal an die Verlagsadressse. Interesse??? bitte melden sie sich beim Simon-Bw-Verlag Tel. 030-44739575 oder per Email: info@simon -bw.de oder per email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer ISBN 978-3-940862-03-7.Das Buch war hervorragend recherchiert, seht gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.       

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer bei der Digitalisierung, ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronankrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit hardware, wie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann weniger, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Corona Krise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen, Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich de facto in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen eine Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV Sendung von hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nützen, es sind digitale Verbraucher, die Amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht als Informationsquellen nutzen, die den fake News den Boden entziehen würden.

Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmawechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun neu bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  und wurde nicht nur von einem Teilnehmer des unten genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern? Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake- News: - Fehl Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals  belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet . Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl Falsch und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access. Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-Falsch und des Informationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontext  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern Die Zukunft der Informationswissenschaft, hat die Informationswissenschaft eine Zukunft ? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven, Forschungsfronten und Fragen an die Folgen der Digitalsierung sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung .Mit dem Sammelwerk  Die digitale  Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung sondern auch Museen und  Institutionen stehen  vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern  gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

Amazon – Seien Sie sorgfältig !

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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