Höre Hespos!

Höre Hespos!

Der Komponist im Gespräch mit Tobias Daniel Reiser
Hans-Joachim Hespos Tobias Daniel Reiser
2010
115 Seiten
kart. mit CD
ISBN 978-3-940862-23-5
26,00
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Der Komponist Hans-Joachim Hespos ist überzeugt, dass Kunst, nur die Kunst, und an erster Stelle die Musik das Leben verändern kann. Sie öffnet Menschen für neue Erlebnisse und neues Hören und ermöglicht so Kreativität im Leben. Hören ist für Hespos Musik, und Musik ist für ihn alles, was über das Ohr geht. Dieser Komponist choreographiert auch die Bewegungen der Instrumentalisten, so wie er mit einer eigenen Musiksprache sie anregt und herausfordert. Er will in seinem Gesamtwerk alle Sinne ansprechen und so in seiner unbedingten Radikalität immer wieder den verkrusteten Kulturbetrieb herausfordern, der nur noch der flachen Unterhaltung Raum gibt und damit die Kreativität tötet.

Hespos ist nicht nur ein großer, sondern auch ein sehr moderner Komponist. Diese Faszination ist für seinen Gesprächspartner, den jungen Musikwissensschaftler Tobias Daniel Reiser in jeder Zeile dieses Dialogs zu spüren. Es geht um das Hören, um das Komponieren, es geht um die existentielle Wirkung neuer Musik für das Leben. Neue Musik nicht mit pädagogischen Ratschlägen der Vermittlung, sondern unmittelbar von einem großen Komponisten in einem persönlichen Gespräch!

Rezensionen

Aus dem Notenbild sich Musik innerlich hörend zu erschließen, ist für manche höchst erquicklich. Hespos hingegen braucht, nicht nur im Akt des Komponierens, das tatsächliche, sinnlich vollziehbare, die Hörorgane herausfordernde Hören. Mehr noch: »hören ist für mich« – er schreibt wie Brecht alles klein, die Titel seiner Stücke stehen meist in grossen Buchstaben – »ein überlebensnotwendiger vorgang. ohren sind für mich atemorgane.« Jenes Hören sei für ihn »eine offene atembereitschaft«. Nicht zufällig heißt ein Werk von ihm OHRENATMER. Während des Komponierens müsse er stets mit der Aussenluft in Verbindung sein. Auch wenn er drinnen komponiert, solle das Fenster möglichst weit geöffnet sein. Kleine, geschlossene Konzertsäle bereiteten ihm Schwierigkeiten. Auch enge Studios seien nichts für ihn, zum Hören brauche er den offenen Raum. Folgerichtig sind ihm Störgeräusche von außen willkommen. Ein lauttönend vorbeifahrender Polizeiwagen etwa oder eine Straßenbahn. Derlei flösse durchaus in seine Klangtexturen ein.

Höre Hespos! ergänzt das Bild des inzwischen über siebzigjährigen Komponisten aus Ganderkesee nicht nur, es öffnet den Blick in eine Werkstatt, die ihresgleichen sucht. Nicht um Tupfer, Farben geht es, womit sich die Figur rundete und dem Betrieb zusätzlichen Glanz verliehe. Genau das Gegenteil ist der Fall. Höre Hespos! signalisiert eine Ferne zum gegenwärtigen, vermeintlich pluralistischen Betrieb, in jedem Wort. Hört, verehrte Leser, hört, wie sich hier ein höchst produktives gedankenscharfes, kritisches Aussenseitertum kund gibt, dem Jugend nacheifern sollte. Hans-Joachim Hespos ist ein Künstler, dem es – sonst würde er anders reden – wahrlich um das qualitative Überleben Neuer Musik zu tun ist, wo doch das Gros glaubt, alles sei in Butter, alles wohl gefügt, trotz schrumpfender Kassen. Nee, sagt Hespos. Allzu eingeschliffen sei der Betrieb, interessengelenkt, die Musiker allzu abgerichtet auf das Gängige, das Immergleiche. Beklagenswert sei der Mangel an wirklich kühner, die Erstarrungen aufbrechender Gegenwartsmusik. Ein Teil Komponisten sei überzählig, messe sich nicht am Besten, ein Teil gar überflüssig. Und er begründet das. Donaueschingen kennzeichnet Hespos, gefürchtet in Festivalkreisen und darum ignoriert, als »donaueschinger festspielmarkt« und dessen Publikum als »marktpublikum«. Und Hespos fragt in nicht geringem Maße nach Welt, derer, die täglich aus dem Radio tönt, und der grossen, die nach grundlegenden Umgestaltungen geradezu schreit. Nicht allzu viel Schönes entdeckt er, vielmehr ist er erschrocken: »markt und musikindustrie sind dran interessiert, dass die perlenkette der profitproduktion sich ununterbrochen fortsetzt, das einzelne interessiert gar nicht, denn die perlen der ketten sind austauschbar.« Insbesondere aber rankt das Gespräch, das Tobias Daniel Reiser inspiriert geführt hat, um Werke von Hespos und Probleme, dieselben hervorzubringen. Hilfreich ist die beigefügte CD. Sie gibt Einblick ins Hespos-Werk und sie ergänzt die analytischen, musikbetrachtenden Fäden, die das Gespräch knüpft. Das Buch dürfte selbst konservative Geister fesseln. Geballte Erfahrung des Komponisten steht hinter jedem Wort. Zugleich ist des Meisters Gedankentum so inegal, so querstehend, so stolz, so eigensinnig, so vorpreschend, dass man geneigt ist, die Lektüre nicht mehr aus der Hand zu geben.

Dr. Stefan Amzoll in Neues Deutschland Nr.119 Jg. 67
Mai 2012
Dr. Stefan Amzoll in Neue Zeitschrift für Musik 04/2012, Juli 2012

 


 

Es gibt seit einigen Jahren ein Gesetz, das es gewissermaßen unmöglich macht, eine Komposition von Hans-Joachim Hespos werkgetreu aufzuführen: Es handelt sich um das seit einigen Jahren schrittweise eingeführte Verbot von Glühbirnen. In seiner bislang einzigen Literaturoper, dem satirischen Spektakel ITZO-HUX – einem »Spin off« des Romans After Many A Summer von Aldous Huxley für Sänger, Schauspieler, Musiker, Zuschauer, Madonnen, Bodybuilder, Gogo-Girls, Dinge und keinen Chor (!), in dem der Komponist ein lebendiges Schaf auftreten lässt – gibt es eine große stumme Szene für Bühnendinge, in der ruckweise eine an einem Faden hängende, leuchtende Glühbirne heruntergelassen wird, bis sie auf dem Boden zerschellt. Die historisch informierte Aufführungspraxis wird nach ihrer Eroberung der Musik des 20. Jahrhunderts hier auf Schwierigkeiten stoßen – denn das vorgeschriebene Requisit wird nicht mehr hergestellt, und das Zerschellen einer umweltfreundlichen Energiesparlampe gefährdet aufgrund der ausweichenden Quecksilberdämpfe die Gesundheit des Publikums eventuell mehr als die Musik.

Hespos würde dieses Bild gefallen: Er bezeichnet sich als »täter, der durchaus die aufmerksamkeit der polizei verdient«. Solche und ähnliche Äußerungen sind einem instruktiven Band zu entnehmen, der in besonderer Weise in das Werk eines der geistreichsten lebenden Komponisten einführt: Der Berliner Musik- und Theaterwissenschaftler Tobias Daniel Reiser hat in einem groß angelegten Dialog darauf verzichtet, pädagogische Ratschläge der Vermittlung zu liefern, sondern spürt der Gedankenwelt Hespos’ im direkten Gespräch nach. Die Gespräche wurden im November 2009 geführt; die Gesprächsblöcke sind als Kapitel voneinander thematisch getrennt. Begleitet wird das Buch von einer CD, die eng mit den Gesprächen verbunden ist – oder umgekehrt: Die CD wird im Verlauf des Dialogs durchgehend kommentiert, die Werke bilden das Zentrum der Gespräche. So ist es möglich, mit dem schmalen Band und der CD als Portrait des Komponisten – die vertretenen Werke berühren nahezu alle Arbeitsperioden Hespos’ – einen breiten Eindruck von einem ver- und aufstörenden, immer wieder erfrischenden Schaffen zu erlangen: Neben kurzen kammermusikalischen Werken sind auch Ensemblearbeiten vertreten wie die beiden Ouvertüren zu Hespos’ Oper iOpal oder point, außerdem zweifach stitch – und (quasi auch als Motto der Werkschau) überRasch für »Neue Flötentöne« bzw. »zwei nervöse weiber“, wie Hespos im Gespräch äußert. Überrascht wird der Hörer an mehreren Stellen der CD – auch durch unkommentierte Kleinigkeiten, die den dramaturgisch klug zusammengestellten Tonträger gliedern.

Die Fragen Reisers sind nur kurz und pointiert, dabei auch provokativ (»Ich bekomme zu dem Stück keinen Zugang.«); Reiser lässt Hespos somit Zeit und Raum für Antworten; dabei ist es auch das Verdienst der Transkription (durchgängig in den Lesefluss gelegentlich hemmenden Minuskeln, aber konsequent und so besondere Aufmerksamkeit gebietend), die Intentionen des Autors zu verdeutlichen und zu komprimieren. Einige Passagen des Buches sind nahe an lyrischen Arbeiten – etwa der Einstieg »hören lernen« oder Hespos’ fantastischfantasierende Querschau über die CD »Weißt du, was Brötchenwatte ist?«. Überhaupt fasziniert die Lektüre durch die aus Hespos’ Partituren bekannten Wortgebilde wie »dünnhörbar«, »streicherfurz«, »steifzunge« oder »rauschsturm«. Dabei akzentuiert der Text immer wieder die Lebenshaltung Hespos’, seinen Zorn gegenüber bequemen Mitbürgern, oft genug seinen Frust über die deutsche Kulturlandschaft der Gegenwart – zum Beispiel in seiner Beschreibung der Arbeit mit öffentlich-rechtlichen Klangkörpern.

Mit der Publikation setzt der noch junge Simon Verlag für Bibliothekswissen eine Reihe fort, die anderen Grundhaltungen im Hören und Verstehen von neuer Musik gewidmet ist. Hervorzuheben ist der Anhang, der Hespos’ Schaffen auch visualisiert, indem mehrere seiner Partituren – die auf der CD auch erklingen – abgedruckt wurden. Der klug, weil knapp mit erläuternden Fußnoten versehene Band ist somit eine gelungene, multimediale Einführung in die irritierende Welt des Hans-Joachim Hespos.

Prof. Dr. Birger Petersen in DIE TONKUNST Nr. 2 Jg. 6
April 2012

 


 

NAI – BI – FPOI – GO – GELEUT

Manche Titel sind winzige Epigramme, nur mit zwei oder drei großen Buchstaben versehen, deren Sinn sich nicht sofort erschließt, wohl auch nicht soll. Schon früh begeistert sich Hans-Joachim Hespos, Jahrgang 1938, er lebt freischaffend in Ganderkeese, für die Avantgarde, sieht aber bald deren Erstarrungen und langweilige Rituale. In anderer Art als die älteren Nono und Henze kündigt er sein Einverständnis, formuliert Kritik, ja zieht gegen den eingeschliffenen Neue-Musik-Kanon vehement zu Felde. Alsbald gilt er als Außenseiter, als Spielverderber, was ihn ehrt und anstachelt und individuell zu neuen Sprachformen führt. Hespos’ Musik setzt auf Fremdheit und Körperlichkeit. Das Kreatürliche steht im Zentrum, das Musizieren mit äußerster Hingabe oder äußerster Schlaffheit. Genau mit dem, was der eingeschliffene Betrieb nicht mag und duldet, geht der Komponist liebvoll um. So außenseiterisch sein Schaffen erscheint, so vielgestaltig ist es.

Stefan Amzoll in Atelier Neuer Musik, Deutschlandfunk 
Februar 2011

 


 

Der berühmte Kontrabassspieler Matthias Bauer an Hans Joachim Hespos:

»Ich hatte nun zeit, in ruhe dein buch zu lesen. Es ist wie alles von dir einfach toll, für jeden der dich spielen will, ein muss. am besten gleich mit noten versenden.« Dazu der Verlag: Weiter sagen!

 


 

Hartnäckiges Störelemenent in der Neuen Musik 
Höre Hespos! Ein Arbeitsbuch mit vielen Wegen zur Musik und zum Hören.

Wissen wir überhaupt, wie wir hören? Reflektieren wir diesen ganz konkreten Moment der Wahrnehmung von Tönendem eigentlich? »in sich stille machen, in sich ruhig sein, bereit sein aufzunehmen, wahrzunehmen« das ist für den Komponisten Hans-Joachim Hespos die Voraussetzung für das Hören und bildet gleichzeitig die Einleitung zu Höre Hespos, einem Buch aus Gesprächen des Musikwissenschaftlers Tobias Reiser mit dem Komponisten.

Der Satz des Komponisten überrascht nur, wenn man Hespos‘ Musik bisher lediglich als hartnäckiges Störelement in der zeitgenössischen Musik wahrgenommen hat. … Das Hinhören lohnt: Alle seine Werke sind geprägt von intensivster Aufmerksamkeit für das augenblickliche Musikereignis, sei es für den extremst extremen Punkt des Klangrisses in Zwei-Sekunden-Stück stitch oder die durch Vorangegangenes auf ein Höchstmaß emotionalisierten Nach- Arien in SEILTANZ. Die Annäherung an den Komponisten, die für Reiser am Anfang auch das eigene Verständnis von Schöpfer und musikalischem Werk fördern sollte, erreicht in diesem Fall fast schon eigene künstlerische Qualität, denn nichts wäre im Falle Hespos langweiliger und auch abwegiger, als eine Form, bei der ein ahnungsloser Frager den seitenlangen Abhandlungen des hehren Künstlers gegenüber stände. Reiser schafft es, den Leser mit an den Schreibtisch des Komponisten zu holen: Kapitel für Kapitel werden neue Hespos Werke aufgeschlagen, anhand derer der Komponist Ansichten und Arbeitsweisen erläutert. Das Lesen dieser Werkstattgespräche bedeutet schon Vergnügen genug, denn allein Hespos Satzbildungen sind eine wahre Fundgrube von Kreativität, Irritation oder Provokation …

Die Körperlichkeit des Hepos’schen Werks ist auf der beigefügten CD fast weniger greifbar als wenn der Komponist in kraftvoller Bildersprache etwa die »gehetzten Knüppelproduktionen« der Musikindustrie kritisiert oder ein »puzzle- überschlag-verquer-tempo« in einem seiner Werke beschreibt. Doch auch die CD ist nicht ohne Überraschungen hörbar – fast schon konsequent erscheint, dass auch die Trackliste »gestört« ist und man so gezwungen wird, sich mit dem Dargebotenen zu beschäftigen. Der immanente Zusammenhang zwischen dem spielerischen Erforschen der Instrumente und der absoluten Aufrichtigkeit, die Hespos von sich selbst und seinen Interpreten und Zuhörern fordert, macht den Reiz des Buches aus: »Musik ist nicht harmlos« konstatiert Hespos, beschreibt sich selbst als Täten und Widerständler und wir blättern um- plötzlich geht es um »Aufstaunen«, um die Permanenz von Staub und die unstillbare Neugier eines Kindes. Diese Spannung, dieses Nebeneinander von Widersprüchen und Extrema fordert Musik, fordert Kunst und Kreativität. Als solches ist hier ein wunderbares, mit vielen Details gespicktes Arbeitsbuch entstanden, das auch für Hespos Neulingen viele Wege zur Musik und zum Hören zeigt.

Alexander Keuk in NMZ Neue Musikzeitung (leicht gekürzt)
Oktober 2011

 


 

Es gibt eine zweite wichtige Neuigkeit aus der Komponistenwerkstatt. (Die erste war der Kompositionsauftrag quixx vom Dresdner Kammerchor, der im Frühjahr 2011 zur Uraufführung kam.)

Der junge Musikwissenschaftler Tobias Daniel Reiser kam mit Hespos' Musik in Verbindung (»Bei dem ich gar nichts verstand«), hatte ein Telefongespräch mit ihm (»Bei dem ich auch nichts verstand«) und setzte sich dann, nach etlichen Vorgesprächen, zwei Tage mit Hespos zusammen. Und fragte. Getreu dem Motto der Sesamstraße »Wieso, weshalb, warum: Wer nicht fragt, bleibt dumm.« Und entstanden ist mit Höre Hespos ein schmaler Band, von dem man sagen darf, dass er kommenden Generationen von Musikwissenschaftlern für den Fall, dass sie sich mit der Musik dieses maßgeblichen Avantgardisten des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts befassen werden, eine wichtige Quelle und Interpretationshilfe sein wird.

Noch nie hat Hespos, der sich eigentlich bisher beharrlich geweigert hat, seine Werke zu erklären, so viel Erklärendes gesagt, hat so viel von seiner Arbeit, seinen Antrieben, Inspirationen, seiner Schaffensweise, von seinem Denken und Fühlen preisgegeben wie hier. Die schriftliche Form der Tonbandprotokolle strahlt übrigens immer noch eine schöne Spontanität aus. Die zehn Kapitel ausgehend von »hören lernen«, in dem man gewahr wird, dass „»hören« ja auch »einander zuhören« bedeutet, sind ein überaus kurzweiliger, ganz vielfältiger, detailreicher und immer wieder nachfragender Weg zu Hepos Musik. Nicht nur über die Sprache, sondern auch über Notenbeispiele und das ganz reale Hören anhand der beiliegenden CD, die die Notenbeispiele zum Tönen bringt. Ein biografischer und bibliographischer Anhang ergänzen das Buch.

Günter Matysiak im Weser Kurier
Dezember 2010

 


 

… Spannend, aufschlussreich, an-stoßend, Neugier weckend, wie die Kinder, die immer wieder fragen: und was noch, und was noch, und was noch (Hespos) – so lesen sich die Gespräche, die der Musiktheaterpädagoge Reiser führte, konzentriert auf zwei Tage im November 2009. Hespos’ wortschöpferische sprachmächtige Kraft (auf Kleinschreibung beharrend), die Fähigkeit, schwierige Kompositionsprozesse zugänglich zu machen, bauen eine Brücke zu den diskutierten Werken, die teils als Partituren gedruckt und auf der Beispiel CD ... zu hören sind. Es geht um Hören neues Hören, das sich an äußersten Kontrasten zwischen Klangexplosionen und nur dünnhörbar entwickeln kann. Radikale Schocktherapie durch Musik, die in der grafisch autonomen Niederschrift eher Klangbeschreibungen als Noten enthält. Hespos: kunst ist widerstand!!musik ist nicht harmlos – es gilt: im sprung sein ins unbekannte.

Herbert Glossner in Positionen 87:49

Siehe auch: www.positionen.net

Aktuelles

Warum gilt Aufklärung als fundamentalistisch? und weiter: Aufklärung und Freiheit sind Ideen, die an ihren Ansprüchen scheitern.

Hanna Arendt, der glühenden Verteidigerin der Freiheit Die Freiheit, frei zu sein, München 2018, hätten diese Aussprüche nicht gefallen, wohl aber eventuell den Wahlbeteiligten im Osten der deutschen Republik, die heute mit den immer deutlicher werdenden Brüchen zwischen Ost- und Westeuropa konfrontiert werden.


Der Tagesspiegel vom 30. Mai: „Das Gewand der Königin. Europa Regina zeichnet ab dem 16. Jahrhundert eine Westorientierung der Mächte“, die auch nach dem Abbau der festen Grenzen nach 1989 wieder zum Vorschein gekommen sind. Der Optimismus, mit dem die EU-Erweiterung begann, ist einer Grundskepsis gewichen, die nicht allein dem wirtschaftlichen und sozialen Bruch galt, der dieser Erweiterung folgte, sondern auch keine europäische Einigung unmittelbar einleitete. Liberalismus und Demokratie haben kein unmittelbares Erbe in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und haben dem Demokratieüberdruss, dem Nationalismus und dem Aufkommen neuer Potentaten von Urban bis zur Pispartei in Polen den Boden bereitet. Aber nicht nur im Parteiengeflecht des ehemaligen Ostblocks schälen sich neue Machtpositionen heraus. Auch die Kräfteverhältnisse innerhalb der EU können sich verändern und damit Erneuerungen in Administration und Gesellschaft notwendig machen. Peripherie und Zentrum stehen sich gegenüber und bieten gleichzeitig die Identität allen den Staaten an, die jetzt, und eventuell vorübergehend, oligarchische Strukturen bevorzugen und damit alle Staaten entlasten, die sich mit Freiheit und Verantwortung überfordert fühlen.


Dabei war der Kampf dieser Staaten um Freiheit und europäische Zugehörigkeit nicht trivial. Der Garten der zerbrochenen Statuen (ISBN 978-3-945610-40-4) zeichnet den erschütternden Weg, den die Zensur durch die Bildung des russischen Staates genommen hat. Wir gehen davon aus, dass dieses Buch in der Gegenwart eine Fortsetzung schreibt. Wege der Hoffnung (ISBN 978-3-945610 20-6) ist nicht nur die Lebensgeschichte eines litauischen Intellektuellen, der sein Glück in den USA gemacht hatte, es ist gleichzeitig eine Hommage an den unbekannten deutschen Soldaten, der einst die Familie aus dem brennenden Dresden rettete. Immer wieder scheint der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung diese Erzählungen zu leiten, aber gleichzeitig sind die Kräfte für den Aufbau einer Demokratie bzw. Liberalität nicht sichtbar. Der Wunsch nach wirtschaftlicher Erholung und Beteiligung ist mit Händen zu greifen, es fehlt aber der Wille zur Teilhabe und Gestaltung jenseits der Schilderung der persönlichen Notlagen und Ängste.

Aufklärung war die Grundlage des preußischen Staates, als der versuchte, sich aus dem Geflecht eines Obrigkeitsstaates zu befreien. Dies ist ihm sehr spät, wenn überhaupt, gelungen. Deshalb sollte die Bundesrepublik schon aus dieser Tradition heraus, in ihrem Erbteil Verständnis für die autoritären Strukturen der europäischen Staaten an der Peripherie aufbringen, aber auch gleichzeitig alle Möglichkeiten mit entwickeln, die eine solche politische Zukunft verhindern.   

Mythos Lesen - Mythos Buch

Mythos Lesen - Mythos Buch

Machen Sie mit!

www.nationaler-lesepakt.de, eine Zusammenarbeit der „Stiftung Lesen“ und dem „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“, ist der Wochenzeitschrift Die ZEIT eine ganze Seite wert.

„Lesen- eine wahre Superkraft. Lesen eröffnet uns die Welt. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark. Das Ganze illustriert mit einem Jungen, verkleidet als Superman und somit passend für die Zielgruppe nicht nur der Eltern, sondern auch der „Jungen, die in der Gruppe der Nichtleser besonders zahlreich vertreten sind.“

Der Nationale Lesepakt wartet mit einem großen Angebot an Veranstaltungen und Preisen auf. Er liest sich wie das Who is Who aller Bücher- und Lesemenschen, die sich in diesem Land kraft ihres Amtes, ihrer Überzeugung und ihrer Ängste zusammengefunden haben, zu einem Zeitpunkt, da das geschriebene oder gedruckte Wort immer weiter an Resonanz verliert, um den Mythos Lesen und dem Buch die Stellung zu erhalten, die diese offensichtlich verlieren.

Der nationale Lesepakt ist die gebündelte Kraft eines ganzen Landes, dem Lesen die Superkraft zu bewahren bzw. möglichst zurückzugeben. Es ist nicht die erste Initiative für das Lesen. Als vor fast 50 Jahren die US-amerikanischen Wirtschaft in einer Untersuchung die Höhe der Mittel feststellte, die ihr durch die fehlende Lesefertigkeit ihres Personals in Handwerk und Betrieben verlorengingen, begann sie eine Kampagne, die an Umfang und Tiefe der jetzigen hier in Deutschland in nichts nachstand. Obwohl sie großzügig Mittel gerade in die kommunalen Bibliotheken spülte, war der Erfolg damals in den USA begrenzt. Steht dem deutschen Lesepakt jetzt ein vergleichbarer Misserfolg ins Haus?

Als vor fast zwanzig Jahren eine Untersuchung über den Einsatz digitaler Informationsmittel in der Lehre die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, dass die Lehre in analogen Bahnen verlief und die Studenten in dem Einsatz digitaler Informationen nicht geschult wurden und diese entsprechend auch nicht nutzten, wurden diese Studien weder gelesen noch in Handlungen umgesetzt. Auch wenn die heute Studierenden die Veranstaltungen mit dem Smartphone bzw. Tablet begleiten, so liest sich das gegenwärtig auf allen Kanälen geäußerte Bedauern über das digital rückständige Deutschland wie eine Abschrift dieser früheren Studien.

Die von Klaus Benesch vorgelegt Untersuchung über Buchkultur und Geisteswissenschaften im Informationszeitalter (Bielefeld 2021) nimmt einen anderen Standpunkt ein als die dem Lesepakt zugrunde liegenden Überlegungen. „Wie wir lesen“ versucht die Geschichte und Rahmenbedingungen, und damit den verschiedenen Ausprägungen dieser Kulturtechnik, auf den Grund zu gehen. Benesch fasst damit nicht nur Untersuchungen und Ergebnisse der früheren Jahre aus verschiedenen Institutionen und Kongressen zusammen, sondern gibt durch den Hinweis, dass die Krise des Buches bereits in der Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Ausgang nahm, als das Buch sich nicht nur einer elitär-gutbürgerlichen Gruppe öffnete, sondern immer mehr zum Allgemeingut „verkam“, dem Thema eine ganz neue inweis, Blickrichtung.

Mit der kurzen Erwähnung, dass gegenwärtig die Lesekultur der Jugend völlig andere geschult ist als vor Jahren, dass es also sein kann, dass wohl gelesen, aber anders und anderes gelesen wird, zeigt die Notwendigkeit zur Änderung der Blickrichtung.

Es kann ja sein, dass die Angebote, die heute gemacht werden, wohl eine leicht pessimistische Haltung gegenüber dieser Kulturtechnik verstärken, aber damit der Lesemotivation der Jugend nicht förderlich sind. Warum, fragt man sich, werden die Ergebnisse der Bundesligaspiele nicht nur gelesen, sondern auch im Gedächtnis verankert?

„Lauschen und Lesen“, deren Gedichte einer Veranstaltung einer kleinen Jazzgruppe dienten, zeigte, wie man Lesen und Hören oder Hören und Lesen an den Mann bringen kann. Es ist ein Umdenken gefragt, damit wieder gelesen wird oder besser noch, damit wir den richtigen Eingang zum Lesen wieder finden.

Aktuell ist Stille. Wir planen für die Zukunft

Die hoch angesiedelte Konferenz Digitale Wissenschaft (Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland 20.09.2010 in Köln, OPUS 4 | Digitale Wissenschaft - Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland (hbz-nrw.de) endete mit dem Schlusswort: „ … dass uns bei all den Diskussionen ... derzeit noch keine echte, d.h. virtuelle, Alternative zu einer Tagung eingefallen ist, kein Tool, keine Technik, die das gemeinsame Diskutieren und Erleben, die viel zitierten Gespräche in der Kaffeepause ersetzen kann …".

Bibliotheken haben sich relativ spät auf ihre Aufgabe als Zentrum der Kommune besonnen. Sie haben sich als Bücherschrank für jedermann, als Lernort und als Bildungseinrichtung definiert, ohne diesem Anspruch wie Karsten Schuldt nachwies, praktisch nachzukommen. Erst der in deutscher Übersetzung publizierte Aufruf von David Lankes, „Erwarten Sie mehr“, der ein lebhaftes Echo in der Kulturstiftung der Länder fand, wies der Bibliothek die Aufgabe zu, Mittelpunkt der Kommune zu sein. (s.a. „Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte“ unter Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte - Magazin 30 | Kulturstiftung des Bundes (kulturstiftung-des-bundes.de). Dabei wurde diese hier angesprochene Kommune weder rechtlich noch politisch eingegrenzt: Menschen, die sich nachbarschaftlich, mit einer Aufgabe, regional oder lokal, vernetzen wollen, sollten die Bibliothek als Zentrum ihrer Kommune ansehen. Mit dieser Aufgabe wurden auch die über die Entwicklung der letzten Jahrhunderte in den Bibliotheken getroffene Einteilung in Öffentliche oder Wissenschaftliche oder welche Unterschiede auch immer herausgestellt und gewünscht waren, in die zweite Reihe verwiesen.

„Im Schnittpunkt von Buchökonomie und Buchkultur stehen die Auswirkungen der Digitalisierung“, sagt die Professorin der Erlanger Buchwissenschaft Ursula Rautenberg. Es sieht aber zurzeit so aus, als ob dieser Schnittpunkt verloren zu gehen droht, weil die Angebote derzeit nur aus Digitalierungsvorhaben bestehen: mögen es Konferenzen und andere digitale Treffen, Fortbildungen oder Informationsangebote sein. Es war eine sehr mutige Entscheidung, die Buchmesse in Leipzig im Frühjahr 2021 abzusagen, weil, wie Oliver Zille es sehr klar ausdrückte, eine Messe eine Begegnung auf den verschiedenen Ebenen erfordert und dieses digital nicht möglich ist. Dem stimmen wir zu, obwohl uns diese Absage aus vielen Gründen sehr geschmerzt hat.

Was wird aus einer Buchwissenschaft ohne Buch?“ fragt die Erlanger Buchwissenschaft. Und wir können uns nicht des Eindrucks erwehren, dass die Vorherrschaft des Digitalen, dem sehr oft die Aura des Modernen anhaftet, durch die Aufholjagd des Buches in kleinen Buchläden leichte Risse bekomme hat. Auf der Ebene des Politischen hat dies Sorge auslöst, wie die Gründung eines nationalen Lesepaktes (Lesen eröffnet uns die Zukunft. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark) zeigt. Dabei findet die Gründung dieser Stiftung ihr Pendant in Russland, getragen von ähnlichen Sorgen, dass die Beschäftigung mit einem Buch und einer Geschichte wohl andere Teile unseres Gehirns anspricht als eine permanente Beschäftigung mit elektronischen Nachrichten. Dies sagen wir hier auch angesichts einer permanenten pädagogischen Bedrohung der Kinder durch übermäßigen Fernsehgenuss bzw. Bildschirmkonsum in der Vergangenheit, der sich jetzt als erforderlich erweist.

Wie sehr Bücher zum guten analogen Leben beitragen können zeigen u.a. „Guten Tag - haben Sie Bücher“, dieses kleine Büchlein, das das Leben in der Stadtbücherei Marzahn nachgezeichnet hat, und sich als Bestseller erwies, wie auch die sanfte Satire „Ich bin ein Bibliothekar“ über einem Bibliothekar, der seinen Beruf als Partner des Lesers über alles liebt und aufgeben soll, zugunsten eines unnötigen Programms intellektueller Beschäftigung.

„Verantwortung für alle“ lauten jetzt schon die Forderungen, die auf tiefgreifende soziale und ökonomische Veränderungen hinweisen, die uns das Abflauen der Epidemie und ein Ende der Stille bringen werden. Den Bibliotheken wird dabei eine große Verantwortung zufallen, die sie auch einfordern sollen. Mit dem Sammelwerk: „Bibliotheken.Wegweiser für die Zukunft. Projekte und Beispiele“ zeigen sie, dass sie das können, man muss sie nur lassen und fordern (erscheint im 2. Halbjahr 2021). 

Rainer Kappe

Kollege, Freund und Berater - RIP

Als das Deutsche Bibliotheksinstitut zu Begin des neuen Jahrhunderts unterging, versuchte Rainer Kappe in dem Chaos zu retten, was noch zur retten war und den vielen Kollegen wenigstens den Hauch einer Zukunft zu vermitteln. Er selbst erhielt eine gute Zukunft im Jüdischen Museum. Dort sahen wir uns wieder. Er war zusammen mit anderen Autor und Herausgeber für Das Tagebuch des Klaus Seckel. ISBN 978-3-940862-14-3. Er beriet den Simon Verlag für Bibliothekswissen während des schwierigen Beginns seiner Tätigkeit und illustrierte einige der neuen Publikationen.  Rainer Kappe begleitete uns über viele Jahre. Wir werden ihn nie vergessen.

Ich bin ein Bibliothekar

Gotthold Ephraim Lessing war einer. Er gab der Wolfenbüttler Bibliothek das Gesicht eines Lern- und Wissenszentrums. Antonio Panizzi formte das British Library Museum zu der effektiv arbeitende British Library um und gab ihr ein prägendes Gebäude. Benjamin Franklin mit seinen Vorschlägen zur Systematik förderte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in Frankreich und Gallardo legte die ersten Grundlagen für ein von Aufklärung und Liberalismus getragenem Bibliothekswesen in Spanien. Leider musste er diese Ideen mit zeitweiligen Gefängnisaufenthalten bezahlen, anders als bei der Bibliothek für Ausländische Literatur in der Sowjetunion, in der eine große Anzahl verdächtiger Intellektueller für Jahre Arbeit und Schutz vor der Perestroika fanden. Die Lebenskrise der Bibliothekare in der Bundesrepublik wurde von Rainer Strzolka traurig und komisch dokumentiert in: Der Bibliothekar – ein Monodrama, von den slowenischen Kollegen mit Vergnügen übersetzt.  

Bibliotheken bildeten immer den Hintergrund kultureller Blüte, wie die Übersetzungsschulen in Toledo, die gleichzeitig die ersten Leihzentralen bildeten und damit die Klöster des frühes MA mit Wissen und Möglichkeiten des Studiums ausstatteten. Daher ist es kein Wunder, dass die Bibliothek von Alexandria vor einigen Jahren neu aufgebaut, zu einem nationalen Erbe Ägyptens wurde, die in der Revolution vor einigen Jahren von allen Bewohnern geschützt wurde, wie David Lankes in Erwarten Sie mehr, 2017, berichtete.

Es waren Bibliothekare, die im Hintergrund, sehr oft intensiv ihrer Aufgabe verpflichtet, in das Zentrum des Interesses rückten. Graue Maus oder Literaturluder - das Bild der Bibliothekarin in der Belletristik ausgewählter Länder nennt Cornelia Fix ihre 2008 erschienene BA-Arbeit. Dieser Trend wurde durch Veröffentlichungen und andere Medien verstärkt, die das Bild der Bibliothekarin zeichneten, sehr oft mit einer leicht negativen Tendenz, altmodisch, nicht zeitgemäß, oft komisch. Hemdesusen, diesen Titel erhielten sie in einem Bericht über einen Kongress öffentlicher Bibliotheken in den 50er Jahren.

Veröffentlichungen und Kommissionen über das Berufsbild folgten auf Kongressen und Tagungen. Altmodischer Habitus bestimmte den Ton des Unzeitgemäßen dieser Berufsgruppe von der Kritik bis hin zur persönlichen Beleidigung. Als die Informationswissenschaft begann, die Informationsvermittlung zu erobern, und Ideen eines sich lohnenden Marktes das erste große staatliche Förderprogramm in der Bundesrepublik bestimmten, nivellierte sich in vielen Ländern weiter der Ruf der Bibliotheken zu veralteten unbrauchbaren Einrichtungen, besonders des Personals, das diesem neuen Zeitgeist und rapiden Entwicklung nicht gewachsen sei.

Der smarte Manager hielt Einfluss. Eingangs heftig beklatscht, wie der unglückselige Manager von Bertelsmann mit seinem Preisgesang auf die totale und kontrollierte Beherrschung der geistigen Welt, besonders der Musik, durch das Internet in einer internationalen Tagung in Berlin in den 90er Jahren.

Guten Tag - haben Sie Bücher dagegen, dieses Tagebuch einer öffentlichen Bibliothek in Berlin-Marzahn, zeichnet die unermüdliche Informationsarbeit seines Personals für jedermann bis hin Einrichtung von Schreibwerkstätten.



Und nun diese Satire.

Christer Hermansson: Ich bin ein BIBLIOTHEKAR!


Eine scheinbar altbackene Beschreibung eines Menschen, der diesen Beruf liebt und mit ihm tief zufrieden ist. Administrativen Aufgaben wie Rechnungslegung etc. unterzieht er sich ohne Widerspruch. Nur die Absurdität der neuen Aufgaben einer smarten Managerin unter der Zerstörung seiner für die Bibliothek so wichtigen Kompetenzen erkennt er nicht. Oder doch???

Die neue Managerin erreicht schnell ihr Ziel...

Wir wollen den Autor, Christer Hermansson, nach Deutschland einladen für Lesungen und Begegnungen. Er spricht Deutsch. - Wir suchen dafür Partner und Mitstreiter - Termin offen (Dank Corona).

Spannend verspricht das Gespräch zu den verpassten (oder politisch nicht gewollten?) Chancen für Bibliotheken während der Corona-geprägten Zeit zu werden.

 

Kontakt und Bestellungen:

Telefon: 030 44739675

per email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer, ISBN 978-3-940862-03-7. Das Buch war hervorragend recherchiert, sehr gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.    
   

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum, ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer, bei der Digitalisierung ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronakrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser einen Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit Hardware sowie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher Nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann wenig, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Coronakrise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona-Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen einer Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV-Sendung von Hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nutzen, es sind digitale Verbraucher, die amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht die Informationsquellen nutzen, die den fake news den Boden entziehen würden.


Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmenwechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun erneut bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  wurde nicht nur von einem Teilnehmer des oben genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa (wenn auch nur als Kredit), aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern?


Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake-News: Fehl-, Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten.

Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch- und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access.

Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-, Falsch- und Desinformationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontexts  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern in Die Zukunft der Informationswissenschaft - Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven und Forschungsfronten als Folgen der Digitalisierung. Dies sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung.

Mit dem Sammelwerk Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung, sondern auch Museen und  Institutionen stehen vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nicht nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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