Vor einigen Jahren suchten zwei Hochschulstudenten aus Russland um einen Platz für ein Praktikum im Simon Verlag für Bibliothekswissenschaft, Berlin nach. Das war nicht außergewöhnlich, da der Verlag einigen Studenten auch mit Hochschulabschluss die Möglichkeit eines Praktikums angeboten hatte. Die Mühe und Arbeit, die der Verlag dafür aufwenden musste, wurde durch Begegnungen und Erfahrungen mit diesen jungen Menschen kompensiert, allzumal der Verlag über die Zeit hinweg das Gespräch mit den Kollegen aus Ost- und Mitteleuropa gesucht hatte und über Erfahrungen mit einigen Ländern verfügte, die er sich bei Seminaren in diversen Ländern aus Ost und Mittteleuropa, von der Slowakei bis nach Kasachstan erwerben konnte.

Es war die Zeit, da der Glaube am eine neue Epoche der Kooperation und Zusammenarbeit gerade mit Ländern, die Jahrzehnte lang verschlossen waren, die Berufswelt beflügelte. Ein großes Problem dieser Praktika stellte immer der Lebensunterhalt für diese Zeit dar in Berlin dar, es mussten Fördermittel gefunden werden. Nur die Volksrepublik China stattete ihr entsandten Studenten und Praktikanten mit einem – wenn auch sparsamen Gehalt –aus, so dass wir bis zur Erschöpfung unserer Ressourcen chinesische Fachstudenten bei uns aufnahmen.

Die Praktikanten aus Russland, entsandt von der Stiftung Memorial boten eine willkommene Gelegenheit, eine Studienreise deutscher Bibliothekare zu russischen Bibliotheken zu Planens. Wir waren daher recht irritiert, als sich diese Planung als schwierig herausstellte. Die russischen Bibliotheken antworteten nicht. Ich kann bis heute nicht sagen, warum Antworten ausblieben. War ihnen der Plan zu fremd, wurden Hindernisse zwischen den fachlichen Interessen geltend gemacht oder hatten die russischen Kollegen schlicht Angst vor diesen Begegnungen? Wir wissen es nicht.- Diese Begegnungen waren immer Fahrten in die Vergangenheit. in die eigene und die gemeinsame mit Deutschland, da z.B. die Bibliotheken der Akademie der Wissenschaften Anfang des 19.Jdts mit Hilfe baltischer Adliger aufgebaut wurden, wie andere wissenschaftlichen Bibliotheken, die eine traditionellen Verbindung mit dem deutschen Wissenschaftssystem aufwiesen.

Die Bibliothek für ausländische Literatur, für eine lange Zeit, eine Art Fluchtburg russischer Intellektueller, die dem Regime nicht sehr geheuer waren, haben in dieser Bibliothek überlebt. So spielte die Bibliothek nach dem Fall der Mauer und der zukünftigen Kooperation eine große Rolle und organsierte Seminare in ganz Russland – auch zum Thema Zensur, die von vielen Menschen besucht wurden. Hier wurde ein Thema behandelte, das auf einer langen Tradition beruhte, wie die die Leiterin der Bibliothek zusammen mit einer amerikanischen Kollegin jetzt öffentlich machte. Marianna Tax Choldin: Der Garten der zerbrochenen Statuen. ISBN 978-3-945610-40-4.

https://www.simon-bw.de/books/bibliothekswissenschaft/item/der-garten-der-zerbrochenen-statuen

Diese Ausstellung und die damit verbundenen Seminare lösten eine große Welle der Diskussion in Russland aus und man kann davon ausgehen, dass dies nicht allen Vertretern der geistigen Eliten in diesem Land willkommen war. Wenn auch die Direktorin der Bibliotheken – noch vor ihrem Tod- darauf hinwies, dass von der Regierung keine Widersprüche kamen, so zeigt doch die Behandlung von Memorial, dass die Augst vor der Konfrontation mit der Vergangenheit in zunehmenden Maße die Regierung störte und so den Strick um die Stiftung Memorial fester zog. Es sieht nicht gut aus um den Fortbestand der Arbeit der Stiftung 

In fast fataler Weise ähnelt dieser eingeschränkte Zugang zu den Informationen dem zugrundeliegenden Willen von fake news. Es geht immer um den Zugang zu den Informationen der, erschwert, verfälscht oder einfach vernebelt werden soll, damit die zugrundeliegenden Informationen nicht als Vergleich herangezogen werden können. Nur so können wir fake news erkennen. Johannes Elia Pankus. Fake News. Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum zeigt ganz deutlich, dass es keine Software geben wird, die wir bei fake news einsetzen, um die Wahrheit zu erkennen. Es ist unser Gedächtnis, unsere Kenntnis und unser Zugang zu Informationen, die helfen fake news zu erkennen.- Informationen, deren Zugang diesen Grundlagen nicht folgen, führen letztendlich in die Irre oder töten auch Kreativität, den Schlüssel des Fortschritts, wie Heinz Peter Müller einen seinem hervorragen recherchierten Buch Umerziehung durch rote Bibliotheken. SED Bibliothekspolitik 1945/46bis zum Ende der 1960 er Jahre herausstellte. Und erleben wir es nicht heute wieder, in der Impfgegner die absurdesten Gründe für ihre Leugnung von Corona angeben und keinen rationalen Gründen für eine Impfung zugänglich sind?