Berlin ist in den Jahren der Hypes zu einer Stadt im Jugendwahn geworden ……  Aber es gibt Zeiten im Leben, in denen man sich fragt, wie es in der Feierabendmetropole um die Lebensqualität steht ….Berliner Tristesse rechtfertigt in jedem Städteranking Platzierungen zwischen Lagos und Ulan Bator schreibt der Journalist Werner von Berber im Tagesspiegel vom 29. September dieses  Jahres. 

Wie merkwürdig, diese von den Touristen so geliebte Stadt keine Lebensqualität für die Einwohner? Touristen kommen ja zum Glück nur selten mit einer dysfunktionalen Kommune in Kontakt und haben so keinen Zugang zu einem tristen Alltag. Sie sehen nicht oder doch die tausendfach angebotenen Speisen unter den Bahnbögen, die Freiluftsitze für alle bieten, die gerne auch als Zuschauer am flanierenden Stadtleben teilhaben und doch fast  nie mit der internationalen Küche in Kontakt kommen, wenn Bratwurst oder Leberkäse das gastronomische Angebot beherrschen.

Nein Berlin hat in seiner Mitte, in der Friedrichsstraße weder Orte zum Schlemmen noch Orte, die mit Chic überzeugen, nein Wohnen möchte man hier nicht, denn das hieße dieses Berlin zu einem Bleibeort zu machen. Aber Berlin ein Ort, der ferne Welten verbindet ?

Was verbindet mehr als Kunst und was ist urbaner, globaler und alle Welten verbindender als Kunst ? Manches mag ja mehr Dekoration sein als Kunstwerk und doch ist Kunst die Brücke, die alle verbinden kann, sie schafft Brücken des Verständnisses und der Humanität.

So tritt man voller Hoffnung und Freude (ja Freude!) in das Art Center Berlin in der Georgenstr 44 /Ecke Hegelplatz (www.art-center-berlin.de) ein und fühlt sich verbunden mit der Kunst und den hier ausstellenden Künstlern, nicht nur verbunden, sondern angekommen und angenommen. Wir kennen Slava Nikolaev nicht – wir können mit ihm auch nicht  sprechen, da wir weder Ukrainisch noch Russisch kennen, aber wir teilen seine Lebensfreude mit dem kleinen fröhlichen Mädchen, das in den Himmel schaukelt. Wir können uns nicht trennen von seinem Weltgemälde, das wie in der magischen Welt eines Kindes immer neue Dimensionen öffnet und neue Geschichten erzählt. Wer möchte solch ein Gemälde nicht um sich haben, das dem täglichen Blick immer neue Antworten gibt und Zeit zum Schauen von uns fordert, eine Zeit und eine Fähigkeit, die  uns allen App- und Handynutzern verloren geht und die doch so wichtig ist in dieser Zeit. Wir brauchen Brücken zwischen Welten, Ländern, Kulturen, Menschen. Und Berlin hat die Bausteine, die Menschen: Russlanddeutsche in Charlottenburg, eine polnische Community, die sich am 23. 9 zum Ideensammeln im Tagungswerk Jerusalemkirche versammelte, das Max Brand Ensemble aus Wien, das im Rahmen des Festivals Oaarwurm  in der Brotfabrik Weißensee Neue Musik spielte und und ….Für alle gilt, sie kommen und sie vertreten ferne Welten und sind doch in und mit Berlin verbunden, weil sie jene Brücke bauen, die Menschen verbindet, mit der bildenden Kunst und mit der Musik. Der Kern aller Humanitas: das Verständnis für das Leben und damit auch das Leben des anderen. Ich verließ das  Art Center Berlin nach der Vernissage mit den  Bildern des Slava Nikolaev freudig und voller Wertgefühl, als hätte ich lange mit einem guten Freund gesprochen und wir hätten uns glänzend verstanden. Dies sind seltene Augenblicke, das wissen wir alle und doch machen sie uns reicher, freudiger und fröhlicher. Gehen Sie und sehen die Bilder von Slava Nikolaev. Es wird Ihnen hoffentlich so gut gehen wie mir nach diesem  Besuch.

Nikolaev Slava-girl

Aktuelles

Digitale Parallelwelten

Die Buchmesse in Frankfurt am Main und  unsere Lebenswelt

Aufbruch – Künstliche Intelligenz, Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert schreibt die Google Zeitschrift vom 16.10.2018 und zeigt an Sprachen übersetzen, leichter einen Partner finden, Musik individuell zusammenstellen, Bilder sortieren  Anwendungen im heutigen Alltag. Steilvorlagen für die Informationsvermittlung, jener jetzt schon ins 4.Jahr gehende  Veranstaltung  die immer mehr Besucher der Buchmesse in Frankfurt /Main anzieht, gibt sich bescheidener:  Turning Information Complexity into Simplicity  Neue Chancen und Geschäftsmodelle für Information Professionals –nannten sich die Berichte über die Integration der KI in den betrieblichen Informationsdienst. Hellsichtig hatten die Organisatoren die Herausforderungen an die Führungskräfte in der neuen von der KI bestimmten Infrastruktur durch Professor Landwehr als keynote Speaker definieren lassen. Als Mathematiker und Psychologe verkörperte er fast idealtypisch die Anforderungen,  die auf die Führung aber auch auf  jeden einzelnen zukommen.

Weiterlesen ...

Hat der einzelne subjektive Komponist noch eine Zukunft? – über das Berliner Oaarwurm Festival 2018 für komponierte Musik

Es passt in die gegenwärtig aufgeregte Digitalisierungsdebatte, dass  Oaarwurm 4.0 sein Festival mit der Frage begann Komponieren analog oder digital ? und dazu 5 Experten eingeladen hatten, die sich  in einem R.T. dieser Frage stellten (moderiert von A-.O. Simon) Allen Teilnehmern: Frau Dr. Gisela Nauck Chefredakteurin der Fachzeitschrift Positionen, Michael Quell, Komponist und Hochschullehrer, Dr. Roland Jerzweski, Literaturwissenschaftler und Europa Experte. Dr. Gerhard Koch, Journalist, FAZ und Professor Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg, FB Digitale Medien und Auditive Gestaltung waren einige Punkte zu Gestaltung des Gespräches vorher  zu gegangen. Außerdem hatten sie die Erinnerungen des Manfred Reichert: Fremder Ort Heimat, Berlin 2018 erhalten. Dieses Buch ist mehr eine Geschichte der Rezeption von Neuer Musik als eine persönliche Lebenserinnerung, weil sich in den zahlreichen hier veröffentlichten Rezension der Konzerte von M. Reichert die Rezeption Neuer Musik spiegelt, deren Anfänge Reichert in ersten Konzerten dem deutschen Publikum näher gebracht hatte.

Weiterlesen ...

Gezügelte Leidenschaft Das Neo- Quartet Danzig auf dem Festival Oaarwurm 4.0 in Berlin

Ich kann natürlich keinen genauen Vergleich ziehen,  aber im Laufe  meiner Rezensionstätigkeit Neuer Musik für den Verlag Simon-BW war das Konzert des Neos Quartett vom 30.8 in der Brotfabrik Weissensee schlicht eine Offenbarung.  Komponieren – analog oder digital , hat der einzelne Komponist noch eine Zukunft?  fragte der R.T. b ei der Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus Friedrichshain. Die Diskussion lief auf die Frage zu, was Musik bewirkt. Der Einsatz technischer Mittel, so meisterhaft beherrscht von den digital natives, wie sie Gisela Nauck nannte, wurde auf seine  Möglichkeit, geprüft, Menschen zu berühren .

Weiterlesen ...

OaarWurm Festival 2018

Das OaarWurm Festival 4.0 für komponierte Musik vom 24.-25.8. und vom 30. August bis 2. September 2018 im Kulturhaus Alte Feuerwache, Berlin Friedrichshain, Brotfabrik Weißensee und Hartmannsdorf bei Berlin.

Es gilt als ein Festival des Austauschs und der Kommunikation. Es sieht sich als ein primäres Medium für die von Berliner Komponisten präsentierten neuen Arbeiten, die dem genuinen und ganz eigenen Lebensgefühl dieser Stadt in ihren Werken auf der Spur sind, und die hier zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Weiterlesen ...

Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

Weiterlesen ...