Prix Europa 2016-Changing Europe Politische Umbrüche und die Freiheit der  der Medien setzten dem neudeutschen Begriff der Lügenpresse am   22.Oktober eine Podiumsdiskussion entgegen,  öffentlich – da auch für das öffentlich rechtliche Fernsehen (Tagesschau24) aufgezeichnet wurde. Vertreter aus der Türkei (der in Deutschland lebende Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet) Großbritannien, Russland (jetzt Mitglied von Greenpeace) und von Seiten der Wissenschaft nahmen an dem Gespräch teil, das durch Fragen und Beiträgen aus dem Publikum ergänzt wurde.  Organisiert wurde das Gespräch von der  Bundeszentrale für politische Bildung, hier der Vereinigung Reporter without Border.

Dündar wies darauf hin, dass zur Zeit über 130 Journalisten in der Türkei inhaftiert sind, die Gefahr für die noch arbeitenden sehr groß ist. Er selber konnte mit Hilfe seiner Frau nach Deutschland entkommen, während aber sie und die Tochter weiterhin an einer Ausreise auch der Türkei behindert werden, was einen Teilnehmer der Podiumsdiskussion bewog, man möge doch Merkel vorschlagen, sich für die freie Ausreise dieser einzusetzen. Während also der Presse  allgemein durch die Digitalisierung und sich ändernde Eigentumsverhältnisse Gefahren drohen, die dann im schlimmsten Fall zu der oben genannten Beschimpfung führen können, kommen in der Türkei Gefahren für Leib und Leben der Journalisten dazu, die sich auch nicht verringern, seitdem Erdogan systematisch eine kritische Öffentlichkeit ausschaltet. Fragen, ob man nicht, wie in früheren Jahren vergleichbar mit Südafrika, daher von Besuchen in die Türkei Abstand nehmen sollte, wurden durch die gegenteilige Bitte verneint, man möge den Austausch suchen und pflegen, damit die aufklärerischen Kräfte  in der Türkei, die ja in starkem Maße vorhanden waren, gestärkt würden, nämlich  diejenigen, die sich Europa zugehörig empfinden, weil ansonsten ein neues Beziehungsgeflecht mit Russland und dem Iran die Folge ist.

Auch Russland kennt kein Freedom of press. Der größte Teil der Veröffentlichung in den Medien ist Propaganda.  Es gäbe zwar gute Gesetze, aber diese  sind vage und werden nicht umgesetzt. Es gibt  in Russland keine öffentliche Debatte und eigentlich keine Forderung nach einem guten Journalismus. Russia today war immer eine Propaganda Medium sowohl als TV als auch als Zeitung. Jede Kritik wird in diesen Ländern nicht nur bestraft sondern mit dem Begriff Terrorismus auch in der gewünschten Gefährlichkeit angesiedelt. Polen auch Ungarn gehen ähnliche Wege, wobei die Verhandlungen auf europäischer Ebene sich seit dem refuge deal und der offensichtlich gewordenen Uneinigkeit der europäischen Staaten schwieriger geworden sind. In einer Art Salami Taktik versuchen Polen und Ungarn die freie Presse auszuschalten.

Aber- wie das Wort Lügenpresse zeigt- drohen einem Massenjournalismus, der nicht der Manipulation verdächtigt werden will, Gefahren von der sich rapide verändernden Medienlandschaft, sowohl durch die sich ändernden Eigentumsverhältnissen als auch der Stellung des Journalismus, der als Teil des Establishment angesehen wird. Diese Gefahr besteht in England wurde von dem britischen Vertreter ausgeführt, da Großbritannien mehr als Deutschland immer noch von einer hoch selektiven Society bestimmt wird. Daher treffen solche Fragen des Journalismus in England auf Indifferenz von Seiten des Publikums und mangelnde Teilnahme. Newspapers are on the brink. Die Menschen sollten mehr einbezogen werden, die Journalisten mehr vor Ort sein. Der britische Vertretet fordert mehr Media Literacy beim Publikum und damit eine neue  Beziehung zwischen Journalisten und ihrem Publikum. Dass dies möglich ist, zeigen die zahlreichen Beiträge auf Twitter und auch den bestehenden und immer wieder entstehenden blogs in denen auf Presseberichte Bezug genommen wird.

Die Beispiele, die hier zu Wort kamen aber auch die Gefahren, die einer Presse von der Politik wie in Polen, Ungarn aber auch zunehmend in Frankreich,  aber auch von innen, durch wechselnde Eigentumsverhältnisse  und Abhängigkeiten drohen, sind nicht nur eine Gefahr für Europa, als solche war diese Podiumsdiskussion gedacht, es ist auch eine Gefahr für die Demokratie und daher alle Aufmerksamkeit und Teilnahme, die diese Diskussion auf sich zog, in jeglicher Beziehung wert.

Aktuelles

Zum Tod des Karlsruher Dirigenten Manfred Reichert

Die 13 als Glückszahl


Manchmal werden durch Chuzpe Weichen gestellt, wird der Lebensweg in die entscheidende Bahn gebracht. So bei Manfred Reichert. Er hatte in Karlsruhe Musik studiert, war nach dem Staatsexamen zeitweise als Kritiker für die Badischen Neuesten Nachrichten unterwegs und als Gymnasiallehrer tätig, gehörte seit fünf Jahren zur Musikredaktion des in Baden-Baden ansässigen Südwestrundfunks (SWR) und nun, Ende 1972, beflügelte ihn der Wunsch, ein dreizehnköpfiges Ensemble zu dirigieren, das aus Streichern des SWR-Sinfonieorchesters bestand. Reichert wandte sich an den Konzertmeister, bot als Gegenleistung einen Auftritt in Karlsruhe an: „Der Vorschlag war verrückt, tollkühn, ich muss nicht recht bei Sinnen gewesen sein“, schrieb der Musiker später rückblickend.

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Reichert Nachruf

Manfred Reichert

Wir wussten, dass er todkrank krank war, wir sind dankbar, dass wir seine Erinnerungen, sein Vermächtnis, seine Leidenschaft und seinen Kampf um die Neue Musik herausgeben durften - wir sind sehr sehr traurig, dass er heute verstorben ist:

Manfred Reichert

Dirigent, Festivalgestalter, Universitätsprofessor, Gestalt - und Traumtherapeut, Bildermaler

Er schaute zurück auf fünfeinhalb Jahrzehnte zwischen 1961, Abitur und Studienbeginn und der Gegenwart 2017. Von 1967 bis 1983 Musikredakteur beim Südwestfunk Baden - Baden, von 1973 bis 2007 Dirigent des von ihm gegründeten Ensemble 13 von 1981- 2017 Künstlerischer Leiter des ebenfalls von ihm gegründeten Karlsruher Festivals Wintermusik und Musik auf dem 49 ,' 1983 bis 1988 künstlerischer Leiter des städtischen Teils der Europäischen Kulturtage Karlsruhe

Ideengeber, von 1985-1987 Leiter der ersten Projektgruppe des ZKM, Karlsruhe, 1995- 2007 Professor für Neue Musik an der Johannes Gutenberg Universität Mainz Seit 2000 Gestalt und Traumtherapeut , seit 2012 Maler .

(Manfred Reichert : Fremder Ort Heimat. Manfred Reichert und das Ensemble 13.

Eine Spurensuche.

Berlin 2918, 268 Seiten, mit Fotos,softcover 23.50 ISBN 978-3-945610-41-1)

Leipziger Büchermesse in stürmischen Zeiten

Einer medialen Flurbereinigung – dem Ausschluss „rechter Verlage“ hatte der Direktor der Leipziger Büchermesse ruhig und besonnen widerstanden und auf die  Präsentation aller Verlage und den offenen Zugang aller zu allen Angeboten bestanden. Ein Motto, den die Bibliotheken mit Open Access seit Jahren verfolgen und der auch die Vorstellung des Buches von Marianna Tax Choldin. Der Garten der zerbrochenen Statuen beherrschte. Auf den Spuren der Zensur in Russland, vorgestellt von den beiden Übersetzerinnen im Zwiegespräch landete bei deiner Debatte über Zensur mit den in Halle 4, A, 105 versammelten Bibliothekaren, die ihr Leben lang für den freien Zugang ihrer Nutzer zu Informationen gekämpft haben und heute noch kämpfen. Der Kampf der Bibliothekare um die Anerkennung ihrer Arbeit bestimmte auch Helga Schwarz Das Deutsche Bibliotheksinstitut  im Spannungsfeld zwischen Auftrag und politischem  Interesse, deren Autorin durch das Wetter an ihrem Auftritt  verhindert war; Fachforum 1 Halle 5 E500  Dieser Wintereinbruch  hatte auch der Messe zugesetzt, von einem eisigen Empfang am Hauptbahnhof und der Messe Leipzig mit gefährlich glatten Eingangsbereich, bibbernden Warten auf die Straßenbahn  mit einem wasserdurchlässigen  Glasdach (Hybris der Architekten?).

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Hespos imd A.Simon zum Geburtstag

80 Jahre und kein bisschen weise- wir gratulieren zum Geburtstag unseren Autoren

Hans Joachim Hespos geboren am 13.3. 2018 und Artur Simon,  geboren am 6.5. 1938  verschieden und doch in einem gemeinsam, in ihrer unverbrüchlichen Liebe zur Musik

… Immer wieder neu Anders nennt Hespos sein musikalisches Schaffen, das ihn immer wieder auf neue Wege schickt, neue Formen, neue Instrumente. Was ist die Wirkung von Musik? Sie trifft und braucht keine  Vermittlung (nmz März 2018:4)

Dem würde Artur Simon zustimmen, der sein Leben lang der Musik unmittelbar ausgesetzt war, in fremden Kulturkreisen: Afrika, Indonesien, Neuguinea und doch diesen Musiken  immer auf der Spur. Sie führte  zu der Begegnung mit Dahab dem musikalischen Genie der Nubier und oft  zu der Seele von Gemeinschaften,  die aus dieser Musik lebten und  die wir ohne diese Musik nicht kennen würden.