Neue Musik. Analysen
2013
144 Seiten
softcover
ISBN 978-3-940862-57-0
20,00
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Für Kompositionen von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart des frühen 21. Jahrhunderts sind sowohl Überblicksdarstellungen zu satztechnischen Phä-nomenen als auch Lehrbücher zur Analyse dieser Musik rar. Das vorliegende Buch kompiliert Vortragstexte und entlegen veröffentlichte Aufsätze, allesamt Darstellung von Musik nach 1950: Der Bogen spannt sich dabei von Olivier Messiaen, dessen Schüler Pierre Boulez bis hin zur Musik Adriana Hölszkys und Wolfgang Rihms. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Musik für Orgel. Der Sammlung sind zwei einführende Texte beigegeben, die einerseits den Begriff der Neuen Musik definieren, andererseits Analyseansätze über Jahrhunderte hinweg vergleichen.

Mit der Kompilation soll ein Verständnis für die berücksichtigten Kompositionen er-reicht, eine Hörhilfe geschaffen oder schlicht etwas Neugierde für die Vielfalt der Neuen Musik geweckt werden.

Rezensionen

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: Dieses im Berliner Simon Verlag für Bibliothekswissen erschienene Buch mit insgesamt sieben analytischen Beiträgen zu sehr unterschiedlichen Themen aus der Feder des Musiktheoretikers und Komponisten Birger Petersen ist ein großer Gewinn. Petersen gelingt das Kunststück, sich den behandelten Werken auf der einen Seite analytisch fundiert und sachlich zu nähern und den kulturhistorischen Bezug konzise zu vermitteln, während er auf der anderen Seite die Texte immer wieder mit Humor zu würzen versteht. Keine Spur also von trockener Analyse-Materie, obgleich es dem Autor doch um Grundsätzliches geht: Und dementsprechend konstatiert er treffend in der Paraphrasierung eines ZEIT-Artikels, der eigentlich die Vorzüge des Griechischen im Abitur preist: »Analyse ist unbestritten ein Grundlagenfach, methodisch und inhaltlich. Und wenn Sie die Struktur verstehen wollen, dann führt an Analyse kein Weg vorbei.« (S. 9) Analytische Texte zur Musik des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts, so Petersen, sind noch recht rar gesät. Der Autor hat allerdings gar nicht den Anspruch, diese Lücke zu schließen, sondern er macht – gerade durch die überlegte Wahl der analysierten Kompositionen – auf beinahe Abseitiges, auf »Nebenwerke« und Nebenwege aufmerksam. Damit zeigt er, dass nichts vor seinem analytischen Zugriff sicher ist und dass es jenseits eines einseitig definierten Neue-Musik-Kanons viel zu entdecken gibt, das wesentlich zum Verständnis der Hauptentwicklungen beiträgt. So widmet sich Petersen in einem umfangreichen Aufsatz den frühen Orgelwerken Wolfgang Rihms und untersucht an ihnen die Möglichkeit, Begriffe wie »Gestalt« und »Form«, die im späteren Werk des Komponisten zu zentralen Kategorien werden, bereits auf dessen frühes Schaffen anzuwenden. Zugleich erarbeitet er eine harmonische Analyse und stellt in den bevorzugten Mixturen einen direkten Einfluss französischer Musik, namentlich Claude Debussys oder Maurice Ravels, fest. Besonders hervorzuheben ist der Aufsatz Frottage und Assonanz – Anmerkungen zur Orgelmusik Friedhelm Döhls, da sich der Autor hier weit ab vom Mainstream mit Musikbeschäftigt, der man sonst eher selten so nahe rücken kann. Im Zentrum stehen dabei zwei Werke: Zum einen eine im Laufe von 25 Jahren immer weiter angewachsene Orgelmesse und zum anderen der Orgelzyklus HIO B (2008). Petersen filtert einleuchtend die zahlreichen Traditionsbezüge Döhls, etwa zum berühmten sechsstimmigen »Farben«- Akkord Arnold Schönbergs oder zu verschiedenen Liedern Robert Schumanns, heraus und zeichnet so das vielschichtige Bild eines Komponisten, der ja seinerseits insbesondere auch als Musiktheoretiker, beispielsweise mit wichtigen Beiträgen zu Anton Webern, hervorgetreten ist. Neben Texten zur »Kinetischen Klangplastik« in einigen Solokompositionen Adriana Hölszkys, Einlassungen zu Olivier Messiaen und Pierre Boulez, zu Klaviermusik von Helmut Lachenmann, Hans Zender und Nicolaus A. Huber sei insbesondere auch der einleitende, um Fragen der Ästhetik kreisende Aufsatz zur Lektüre empfohlen: Majuskel oder Minuskel. Theodor W. Adorno und die Neue Musik. Hier hinterfragt der Autor aus Sicht Adornos die Unterschiede zwischeneiner rein zeitlichen, historischen Perspektive und einer stilistischen Verortung des noch immer höchst umstrittenen Neuheits-Begriffes. Indem Petersen diesen Artikel an den Beginn seines Buches setzt, weitet er bereits hier durch einen dramaturgischen Kniff den Blick vom analytischen Detail hin zu größeren historischen und kulturellen Kontexten.

Von Gordon Kampe
IN: DIE TONKUNST Nr.2, April 2014

Aktuelles

Widerspruch Simon

Bibliotheken als Ansprechpartner- Mittelpunkt der Community – Gegen fake news und Hass – für Demokratie – eine Forderung an Politiker und Verantwortliche -   

Das Buch  Erwarten Sie mehr von David Lankes  ist ein Glücksfall. Es zeigt, was wir erwarten und was die Leitung der Community, die Politiker und Geldgeber zur Verfügung stellen sollten. Es ist ein dringender Aufruf in schweren Zeiten auch für Bibliotheken. Daher können wir nicht verstehen,  dass das eigene Einkaufshaus für Öffentliche Bibliotheken das nicht sieht, wie die folgende Kurzbesprechung zeigt.

Hier die EKZ Besprechung

Man vergaß anscheinend, dass Bibliotheken Orte der Aufklärung und damit der Demokratie sind. Knowledge Schools nennt Lankes sie,

I further believe that in times of alternative facts, fake news, and near contempt for public service we have an obligation to lead.

Das glauben wir auch, deshalb haben wir der Besprechung von Reisser hier  widersprochen.

Hier die 2. Besprechung

Sie irren sich, Herr Reisser!

Lankes keine Fachliteratur? Nur Ideengeber? Da fragt es sich, was Fachliteratur eigentlich sein soll, sie soll doch gerade den Horizont erweitern und neue Ideen diskutieren. Dafür liest man Fachliteratur, besucht Konferenzen und spricht mit Kollegen. Und ein zeitloses Thema ist:  Wie erreicht die Bibliothek die politischen Entscheidungsträger? Dieses Thema gab es schon zu der Zeit, als ich noch eine blutjunge Bibliothekarin war, auch, als vor einigen Jahren viele Bibliotheken abgewickelt wurden; das totgeschwiegene Handbuch der Kulturzerstörung von R. Strzolka erwähnt es, und in der Dissertation von Helga Schwarz über das Deutsche Bibliotheksinstitut, die gerade erschienen ist, kommt es ebenfalls vor.

Ja, es ist ein Buch für Entscheider. Hier befindet sich der deutschsprachige Raum in einer ähnlichen Situation wie die Bibliotheken in den USA, dass nämlich jene, die über das Budget von Bibliotheken entscheiden, von Jahr zu Jahr schwerer zu überzeugen sind. Leider hat die Literatur im deutschsprachigen Raum wenig darüber herausgebracht, wie die Bibliotheken ihre Stakeholder für sich gewinnen können, obgleich es hier um eine Existenzfrage geht. Aber Lankes (und andere Amerikaner) zeigen, wie es geht, und auf ihre Beispiele müssen wir in einem ersten Schritt zurückgreifen.

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Hommage an Elisabeth von willi Bredemeier 22.4.

Wir Autoren wissen ja, dass wir gut sind. Wir haben der Welt so viel zu sagen. Die Welt würde sogar an unseren Lippen hängen, wenn sie denn wüsste, dass es uns gäbe. Damit das geschieht, haben wir die Verleger.

Nun gibt es unter den Verlegern sonne und solche. Also habe ich mir eine Wunschliste zusammengestellt und mir vorgestellt, wie ein Verleger aussehen würde, wenn ich ihn mir backen könnte.

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Besser spät als nie!

schwarz fertig

Besser spät als nie mit diesen Worte schaffte es die Bibliotheks- und Informationswissenschaft auf die Titelseite von Bild /Berlln und Brandenburg Streiks, Umwälzungen, Reformen , waren keines Berichtes würdig. Noch nie war eine solcher PR. Gag der  Bibliotheks- und Informationswissenschaft gelungen, was jetzt am 18. April einer 80 Jährig Dissertantin so strahlend gelang  und ausgerechnet mit einem Thema, das der Politik ein Handeln vor Augen führt. deren Folgen sich mit der Zeit nicht verflüchten werden, sondern an negativem Gewicht gewinnen.

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