Zwischen Öffentlich und Privat
2015
243 Seiten
softcover
ISBN 978-3-940862-77-8
18,00
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Im ersten Teil des Buches (Horvat) stehen Fragen der Privatsphäre der Nutzer, des Urheberrechts, der Informationsgerechtigkeit und des grenzüberschreitenden Datenverkehrs im Mittelpunkt. Der zweite Teil setzt sich mit dem e-book auseinander, dessen Einführung (Verleihrecht) durch Hindernisse im juristischen Bereich und der staatlichen Definition des e-book als Datensammlung erschwert werden. Letztlich geht es um die Definition des Buches als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor. 

Mit großer Sachkompetenz verfolgen die Autorinnen, zwei international bekannte Wissenschaftlerinnen die gegenwärtige Entwicklung von Bibliotheken und dem Buchmarkt und bieten zahlreiche Anregungen zum zeitgerec hten Umgang mit neuen Technologien.

Rezensionen

Rezension Zukunft der Bibliotheken Weitgehende Abhängigkeit von Auseinandersetzungen mit den Verlagen Aleksandra Horvat und Daniela Ziv- kovic: Zwischen Öffentlich und Pri- vat: Bibliotheken in der Zeit des e- books. Simon Verlag für Bibliotheks- wissen (2015), 243 Seiten, ISBN 978-3-940862-77-8, Softcover, 18 Euro - als e-book ISBN 978-3- 940862-88-4, 12 Euro D ieses ursprünglich in kroatischer Sprache verfasste Buch von 2012 ist in seiner deutschen Überset- zung eine Bereicherung der europäischen Diskussion über die Privatisierung im modernen Bibliothekswesen. Wie weit in absehbarer Zeit die Existenz so man- cher Bibliothek auf dem Spiel steht, ist die spannende Frage. Diese stellt sich seit einigen Jahren auch den Berufsanfän- gern, deren Zukunft besonders gefähr- det ist. In diesem Punkt sind die Auto- rinnen eher zuversichtlich. Genau genommen besteht dieses Buch aus der Behandlung zweier The- men, dem von A. Horvat zum Thema „Bibliotheken zwischen Öffentlich und Privat“ (Seiten 13-114) und dem von D. Zivkovic zum Thema „Das e-book“ (Seiten 115-226). Im Vorwort (Seite 9) wird manife- stiert: „Die grundlegende Aufgabe der Bibliothekare ist, den freien Zugang zu Informationen zu ermöglichen.“ Dabei wird kritisch angemerkt, dass die Verla- ge bei e-books den Bibliotheken den Erwerb und die Ausleihe dieser Medien- art verweigern: „Dieses stellt die tradi- tionellen Aufgaben und Funktionen von Bibliotheken in Frage“ (Seite 10). Auch wenn das für sich betrachtet keine neue Erkenntnis ist, so sind die Texte der bei- den Autorinnen Inhalte des Studiums des Bibliothekswesens an der Philoso- phischen Fakultät der Universität Zag- reb, die sich konkret mit den damit zusammenhängenden Fragen und ihren Konsequenzen auseinander setzen. Das „Recht auf Vergessen“ (Seite 93) enthält sehr bedenkenswerte Überle- gungen, auch oder weil es dort schon im ersten Satz heißt: „Alle Informationen, die im Web postiert werden, bleiben auf ewig verfügbar...“, obgleich die Behaup- tung „Die digitale Umgebung ist durch ein einwandfreies Gedächtnis gekenn- zeichnet“ vor nicht allzu langer Zeit bezweifelt wurde und digitale Doku- mente als wenig archivtauglich galten. Sicherlich gibt es aktuell einen harten Kampf um persönliche Daten und das Recht auf Löschung im Netz, obwohl gerade Bibliotheken mit Recht dagegen gekämpft haben, indem sie auch umstrit- tenen Bücher für die Nachwelt aufhoben und in ihren Katalogen verzeichneten. Mit Recht wird daran erinnert, dass „die FBI-Beamten in den siebziger Jah- ren des letzten Jahrhunderts amerikani- sche Bibliotheken mit der Forderung nach Informationen über das, was die Benutzer lasen, konfrontierten“ (Seite 13). Das wurde allerdings bekannt, weil sich die Bibliothekare vehement dage- gen wehrten. Die Gefahr solcher Aus- spähungsversuche ist heute nicht gerin- ger, aber oft latenter und damit gefährli- cher. Überlegungen zu Persönlichkeits- rechten (Seite 34), „Recht auf Privatsphäre“ (Seite 37), „Das Recht auf Ehre und Ansehen“ (Seite 39) und „Das Recht am eigenen Bild (Stimme)“ (Seite 40) werden näher beleuchtet. Dabei wird rasch deutlich, wie sich die juristischen Rahmenbedingungen durch die Gesetz- gebungen im europäischen Raum und in den einzelnen Ländern permanent ändern. Hier sind diejuristen seitJahren gezwungen, auf die technischen Verän- derungen und die sozialen Verschie- bungen immer neu zu reagieren. „Die Geheimhaltungspflicht von Benutzerdaten gehört in der Regel zum Ethikkodex dieses Berufes.“ Das wird auf Seite 43 postuliert und mit der Beru- fung auf CILIP (Seite 45) untermauert. Der Frage, ob CCTV (Seite 50) in Biblio- theken zulässig ist, wird kritisch nach- gegangen, und dabei festgestellt: „Die unerlaubte Aufnahme ist in Kroatien auch durch das Strafgesetz verboten“ (Seite 51). Das ändert nichts daran, dass „zum Schutz des Raumes und der Aus- rüstung“ nur über Videoüberwachun- gen informiert werden muss (Seite 52). In diesem Zusammenhang wird auch die Erfassung biometrischer Daten ventiliert - mit dem Fazit, dass dieses heute noch für „Schulen und Bibliotheken weitge- hend zu teuer“ sei (Seite 57). Frau Horvat schreibt auf Seite 69: „Werden dem Namen und der Anschrift eines Benutzers die Angaben über die von ihm ausgeliehenen Titel und die von ihm in einem bestimmten Zeitraum ver- langten Informationen beigefügt, kann man sich ganz einfach ein Urteil über eine Person, ihre Vorlieben, Interessen und Lesegewohnheiten bilden.“ Solche Urteile und Vorurteile sind höchst gefähr- lich, weil oft irreführend, denn man muss kein Rechtsradikaler sein, um Hitlers „Mein Kampf“ zu lesen. Im Rückblick auf die Entstehung des e-books wird es „vor allem als eine elek- tronische Version des gedruckten Buches wahrgenommen,..." (Seite 121). Darum sollte es „als eine Einheit... mit eigener ... ISBN ... gekennzeichnet werden. (Seite 122). Auf Seite 123 heißt es: „Ein guter e-Reader soll... die digitale Rech- teverwaltung (DRM) ermöglichen. Da aber einige Verlage sowohl „für die gedruckte als auch die elektronische Aus- gabe ... die gleiche ISBN“ vergaben, drängte man später auf die Trennung zwischen ISTC mit einheitlicher Num- mer der Verlagsprodukte gleichen Inhalts und individueller Manifestationen bei den ISBN-Vergaben. Das ist bemerkens- wert, weil die Verlage später Wert darauf leg- ten, e-books nicht mehr als „Bücher“, sondern als Dateien zu deklarieren, um sie nicht mehr verkaufen zu müssen, sondern nur noch aus- zuleihen. Der Rezensent ist sich nicht sicher, wie viele Leser dieses Buches die Brisanz der Aus- sage: „e-Ausleihe ist nicht eine Form des Ver- triebs, ... sondern eine Art e-Dienstleistung“ (Seite 160) sofort erkennen. Denn auch die fol- genden Seiten machen nur begrenzt deutlich, dass die Besitzer der Verwertungsrechte Wert darauf legen, dass e-books keine Bücher im her- kömmlichen Sinne sind. Wenn aber Biblio- theken gar keine Erwerbungspolitik im her- kömmlichen Sinne mehr betreiben können, haben die meisten von ihnen ein grundsätzli- ches Problem, weil sie Geld investieren, ohne damit eine „Bibliothek“ mit einem eigenen cha- rakteristischen geistigem Eigentum aufzubau- en. Auf Seite 168 heißt es sogar: „Die Archi- vierung des von einer Bibliothek beschaffenen (beschafften] Titels ist die Aufgabe des Verle- gers bzw. des Vertreibers. “ Die Aufzählung der Vielzahl an Geschäfts- modellen beim Informationserwerb ohne wirk- lichen Bestandsaufbau in Ländern wie Kroati- en, Australienjapan, Kanada, Neuseeland usw. insbesondere mit Blick auf das so genannte Pflichtexemplar zeigt, wie unübersichtlich die Situation bislang war und wie rasant sie sich weiter verändert. Ein Lichtblick ist das Kapitel „Bibliotheken als Verlage“ (Seite 189), zum einen durch den Rückgriff auf die Bibliothek von Alexandria als berühmtestes Beispiel „für eine Bibliothek als Verlag“ (Seite 190), zum anderen durch Erör- terungen zu „Doktorarbeiten als wissen- schaftliche e-books“ (Seite 193). Obgleich es auf Seite 191 heißt: „Die Bibliotheksgesetze berücksichtigen das Verlagsgeschäft der Biblio- theken als Rechtspersonen nicht“, werden hier Chancen für die Zukunft der Bibliotheken gese- hen. Der Rezensent kann die folgenden Sätze nicht nachvollziehen: „Dank Google (gemeint ist Google Search) wurden Bibliotheken zu Ver- lagen im weitesten Sinne des Wortes“ (Seite 195). Dies wird auf Seite 197 dahingehend prä- zisiert, dass sich Google verpflichtet hat, „die digitale Fassung des Buches auf seinem Server für 20 Jahre zu bewahren“. Die Bibliotheken, von denen Google die zu scannenden Bücher bekam, erhalten ein digitales Archivexemplar. Aber damit wird doch Google zum Verleger, nicht die „Bibliotheken“. Manche europäischen Länder behandeln e-books wie gedruckte Bücher mit reduziertem Mehrwertsteuersatz. Dem widerspricht die EU-Gesetzgebung (Seite 211). Es geht also um die Existenz der Bibliotheken, deren Ausleih- funktion zunehmend von den privaten Verla- gen von On-leihe bis Amazons Kindle Unlimi- ted übernommen werden. „Ob die Bibliotheken überhaupt eine Chan- ce in der Gesellschaft haben?“ (Seite 218). Dies wird in hohem Maße von der Rechtsprechung der kommenden Jahre abhängen und davon, welche Argumente die Bibliotheksfachleute Vorbringen werden. In diesem Buch wird argu- mentiert: „Die grundlegende Aufgabe der Bibliothekare ist, den freien Zugangzu Infor- mationen zu ermöglichen.“ Schon A. von Harnack hat 1926 die Bibliothekswissenschaft als Nationalökonomie des Geistes definiert, was deutlich macht, warum sich Bildung und wirtschaftliche Prosperität wechselseitig bedin- gen. Welchen Beitrag die Bibliothekare dazu leisten können und dürfen, wird sich zeigen.

Walther Umstätter

Aktuelles

Zum Tod des Karlsruher Dirigenten Manfred Reichert

Die 13 als Glückszahl


Manchmal werden durch Chuzpe Weichen gestellt, wird der Lebensweg in die entscheidende Bahn gebracht. So bei Manfred Reichert. Er hatte in Karlsruhe Musik studiert, war nach dem Staatsexamen zeitweise als Kritiker für die Badischen Neuesten Nachrichten unterwegs und als Gymnasiallehrer tätig, gehörte seit fünf Jahren zur Musikredaktion des in Baden-Baden ansässigen Südwestrundfunks (SWR) und nun, Ende 1972, beflügelte ihn der Wunsch, ein dreizehnköpfiges Ensemble zu dirigieren, das aus Streichern des SWR-Sinfonieorchesters bestand. Reichert wandte sich an den Konzertmeister, bot als Gegenleistung einen Auftritt in Karlsruhe an: „Der Vorschlag war verrückt, tollkühn, ich muss nicht recht bei Sinnen gewesen sein“, schrieb der Musiker später rückblickend.

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Reichert Nachruf

Manfred Reichert

Wir wussten, dass er todkrank krank war, wir sind dankbar, dass wir seine Erinnerungen, sein Vermächtnis, seine Leidenschaft und seinen Kampf um die Neue Musik herausgeben durften - wir sind sehr sehr traurig, dass er heute verstorben ist:

Manfred Reichert

Dirigent, Festivalgestalter, Universitätsprofessor, Gestalt - und Traumtherapeut, Bildermaler

Er schaute zurück auf fünfeinhalb Jahrzehnte zwischen 1961, Abitur und Studienbeginn und der Gegenwart 2017. Von 1967 bis 1983 Musikredakteur beim Südwestfunk Baden - Baden, von 1973 bis 2007 Dirigent des von ihm gegründeten Ensemble 13 von 1981- 2017 Künstlerischer Leiter des ebenfalls von ihm gegründeten Karlsruher Festivals Wintermusik und Musik auf dem 49 ,' 1983 bis 1988 künstlerischer Leiter des städtischen Teils der Europäischen Kulturtage Karlsruhe

Ideengeber, von 1985-1987 Leiter der ersten Projektgruppe des ZKM, Karlsruhe, 1995- 2007 Professor für Neue Musik an der Johannes Gutenberg Universität Mainz Seit 2000 Gestalt und Traumtherapeut , seit 2012 Maler .

(Manfred Reichert : Fremder Ort Heimat. Manfred Reichert und das Ensemble 13.

Eine Spurensuche.

Berlin 2918, 268 Seiten, mit Fotos,softcover 23.50 ISBN 978-3-945610-41-1)

Leipziger Büchermesse in stürmischen Zeiten

Einer medialen Flurbereinigung – dem Ausschluss „rechter Verlage“ hatte der Direktor der Leipziger Büchermesse ruhig und besonnen widerstanden und auf die  Präsentation aller Verlage und den offenen Zugang aller zu allen Angeboten bestanden. Ein Motto, den die Bibliotheken mit Open Access seit Jahren verfolgen und der auch die Vorstellung des Buches von Marianna Tax Choldin. Der Garten der zerbrochenen Statuen beherrschte. Auf den Spuren der Zensur in Russland, vorgestellt von den beiden Übersetzerinnen im Zwiegespräch landete bei deiner Debatte über Zensur mit den in Halle 4, A, 105 versammelten Bibliothekaren, die ihr Leben lang für den freien Zugang ihrer Nutzer zu Informationen gekämpft haben und heute noch kämpfen. Der Kampf der Bibliothekare um die Anerkennung ihrer Arbeit bestimmte auch Helga Schwarz Das Deutsche Bibliotheksinstitut  im Spannungsfeld zwischen Auftrag und politischem  Interesse, deren Autorin durch das Wetter an ihrem Auftritt  verhindert war; Fachforum 1 Halle 5 E500  Dieser Wintereinbruch  hatte auch der Messe zugesetzt, von einem eisigen Empfang am Hauptbahnhof und der Messe Leipzig mit gefährlich glatten Eingangsbereich, bibbernden Warten auf die Straßenbahn  mit einem wasserdurchlässigen  Glasdach (Hybris der Architekten?).

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Hespos imd A.Simon zum Geburtstag

80 Jahre und kein bisschen weise- wir gratulieren zum Geburtstag unseren Autoren

Hans Joachim Hespos geboren am 13.3. 2018 und Artur Simon,  geboren am 6.5. 1938  verschieden und doch in einem gemeinsam, in ihrer unverbrüchlichen Liebe zur Musik

… Immer wieder neu Anders nennt Hespos sein musikalisches Schaffen, das ihn immer wieder auf neue Wege schickt, neue Formen, neue Instrumente. Was ist die Wirkung von Musik? Sie trifft und braucht keine  Vermittlung (nmz März 2018:4)

Dem würde Artur Simon zustimmen, der sein Leben lang der Musik unmittelbar ausgesetzt war, in fremden Kulturkreisen: Afrika, Indonesien, Neuguinea und doch diesen Musiken  immer auf der Spur. Sie führte  zu der Begegnung mit Dahab dem musikalischen Genie der Nubier und oft  zu der Seele von Gemeinschaften,  die aus dieser Musik lebten und  die wir ohne diese Musik nicht kennen würden.