Katechismus der Bücherei

Katechismus der Bücherei

kommentiert von Ronald Kaiser
Paul Ladewig
2011
77 Seiten
kart.
ISBN 978-3-940862-28-0
17,00
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Katechismus würde man dieses Gespräch zwischen zwei Profis nicht nennen; eher eine leidenschaftliche Diskussion um ethische Ziele der Bibliotheksarbeit. Paul Ladewig, geboren 1858, schrieb den Katechismus 1914, Ronald Kaiser, geboren 1980, erwarb sich die ersten beruflichen Meriten mit Library 2.0: Libraries in the Age of Web 2.0: Challenges, Perspectives and Visions (2011 in Englisch). Heinz Buchmüller, langjähriger Geschäftsführer des bvö, Wien begleitet das Büchlein mit einem Vorwort und ist Jahrgang 1939. Alle drei sind sich nie begegnet und konnten sich auf Grund der verschiedenen Lebenszeiten nie begegnen. Und doch macht dieser zugegeben mitunter in der Wortwahl altmodische Katechismus eine fachliche und kollegiale Basis sichtbar, die erstaunlich ist und noch heute begeistert. Man würde sich wünschen, diese drei Kollegen an einem Tisch, an einem Bibliothekartag zu sehen. Geht nicht! Aber das Buch vermittelt eine Ahnung von einer möglichen beruflichen Spannung.

Rezensionen

Eine Übersetzung des Buches ist auch in der slowenischen Sprache erschienen.

In: Kniznica 2013, cislo 11-12, 
Seiten: 49 - 63

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Paul Ladewig charakterisiert sein Büchlein im Vorwort selbst. Es ist eine Auswahl an Leitsätzen, die sich im Laufe seiner vielseitigen Tätigkeiten als Archivar und Bibliothekar angesammelt haben und die »durch scharfe Beleuchtung hauptsächlicher Fragen, welche die Bücherei betreffen, AnIeitung zum selbständigen Durchdenken dieser Fragen geben sollen«.

Natürlich ist die Verwendung des Begriffes »Katechismus« aus der Zeit des Richtungsstreits, in der Paul Ladewig, Eduard Reyer und Erwin Ackerknecht mit ihrer Verfechtung der Ideen der amerikanischen Public Library und der Vermeidung der sozialpädagogischen Aufgabe als primäres Ziel der öffentlichen Bibliothek Walter Hofmann (der Ladewigs Politik der Bücherei vehement kritisierte) und dessen Jüngern als Anhänger der »Bildungsbucherei« gegenüberstanden. Heute wurde man das Werk möglicherweise eine Sammlung bibliothekarischerAphorismen nennen.

Die primäre Frage, die man sich bei Leitsätzen für die Bibliothek publiziert imJahre 1922 stellt, ist: »Wie gegenwärtig sind diese Bemerkungen, haben sie uns heute noch etwas von Relevanz für die praktische Arbeit in der Bibliothek zu sagen oder sind sie nur bibliothekshistorisch interessant?«

Die Antwort ist nicht eindeutig – zum überwiegendenTell sind die Leitsätze manchmal im Original, manchmal (etwa durch den Kommentar Ronald Kaisers oder durch die von Ladewig erwünschte eigene Interpretation) ins Heute transferiert, bestechend aktuell, zum weitaus kleinerenTeil meist auf technische Dinge bezogen (z.B die Betonung des Magazins als Herz der Bibliothek), veraltet.

Paul Ladewig beschäftigt sich mit der Bedeutung des Buches, mit der Bücherei, deren Bau, Betrieb, Verwaltung und Organisation.

Das Buch wird als Bildungsmittel, als ,»Grundlage des wirtschaftlichen Fortschrittes der durch Wissen und Kultur herbeigeführt wird«, qualifiziert und gleichzeitig als Ware eingestuft, deren Makler die Bücherei ist.

»Das Buch als Wissensquelle für den Gebrauch der Gegenwart ist stets das moderne. Dem alten Buch gehört das historische oder das bibliophile Sammlerinteresse«. Moderne Bestandsarbeit trifft sich bei Ladewig mit »Kundenorientierung« in höchstem Maße, wenn er meint: »Der Ausgangspunkt für die Bücherei kann nur der Standpunkt des Publikums sein.« »Beschwerdemanagement« wird als Chance gesehen: »Was das Publikum als Missstand empfindet und nennt, weist die Verwaltung zu neuem Leben«, Und der Chef (wohl auch die Chefin, Anmerkung Jahl) prägt die Teamarbeit, soll in der Mitte des Teams sitzen, damit er Dinge auch sieht, nicht nur hört, muss Entscheidungen treffen und soll »Verantwortlichkeiten schaffen, Selbständigkeit entwickeln – nicht Persönlichkeiten unterdrücken. Er muß Menschen wachsen sehen können«. Schlussendlich hat jeder Chef das Personal, das er zu haben verdient«.

Schnelligkeit und Effizienz, Mut zur Lücke beim Bestandsaufbau, überlegter und beschränkter Arbeitseinsatz beim Erstellen der Kataloge sind weitere Ratschläge, die uns Ladewig gibt.

Die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Bücherei wird gefordert, eine Selbstverständlichkeit heute in Zeiten der Bibliothek als Lernort, in Zeiten, in denen übrigens die öffentliche Bibliothek wieder vermehrt, alleine oder mit Kooperationspartnern, den pädagogischen Anspruch stellt, einen Anspruch den Paul Ladewig zurückweist: »Erziehung ist nicht Aufgabe, sondern Folge des Bestehens der Bücherei. Die Bücherei dient dem Erwerb von Kenntnissen«.

Wenn er »Kinderlesesäle« dort als Erfordernis sieht, »wo es sich darum handelt, Kinder der Gasse zu entziehen«, dann ist diese Erkenntnis sehr gegenwärtig, wenn man zur Gasse noch Shoppingmalls hinzufügt.

Die Bibliothek sieht der Autor als »lernende Organisation«, wenn er schreibt: »Büchereiaufgaben verschiedener Zeit sind verschieden, also auch die Lösungen« oder »Büchereisystematik lässt absolute Lösungen weder für eine bestimmte Zeit noch für die Folge von Zeiten zu – alles fließt« und ferner »Weniger der Mangel an Mitteln als das Festhalten an Praktik der Vergangenheit ist an der Not unserer Bücherei schuld«. Das stimmt so nur zur Hälfte für Österreich: Die Förderung der öffentlichen Büchereien des Landes lässt angesichts der PISA-geschulten Blicke nach Finnland zu wünschen übrig, eine Verdopplung der Förderung des Bundes, ein Entschließungsantrag aller für einen Masterplan für öffentliche Bibliotheken lassen da vorsichtigen Optimismus aufkeimen.

Womit wir beim Ziel Paul Ladewigs für die öffentliche Bücherei angekommen sind: Beachtet man, dass im öffentlichen Diskurs über PISA die Konzentration alleine den Schulen galt und dass öffentliche Bibliotheken immer noch nicht selbstverständlicher Bestandteil einer gesamtheitlichen Bildungspolik sind, dann sind wir diesem Ziel noch nicht sehr nahe.

Es lohnt sich die Zeit, die man mit der Lektüre des Ladewig-Büchleins und dem Durchdenken der Fragen, die Paul Ladewig aufwirft, verbringt. Konzentriert auf engstem Raum wird die ganze Philosophie und Praxis der bibliothekarischen Arbeit auf den Prüfstand gesteilt.

Unser Dank gebührt Heinz Buchmüller, der den »Katechismus« auf dem Flohmarkt aufgestöbert und dem Simon Verlag für Bibliothekswissen, der mit der Neuauflage die Auseinandersetzung mit Paul Ladewigs Ideen neu ermöglicht hat. Heinz Buchmüllers vage Hoffnung kann ich nur teilen: »Vielleicht gelingt es eine Buchreihe aufzubauen, die sich mit all' jenen befasst, die dem Bibliothekwesen entscheidende Impulse gegeben haben«.

Christian Jahl in Mittelungen der VÖB 64 NR. 3/4
2011 Wien

Aktuelles

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer ISBN 978-3-940862-03-7.Das Buch war hervorragend recherchiert, seht gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.       

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer bei der Digitalisierung, ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronankrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit hardware, wie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann weniger, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Corona Krise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen, Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich de facto in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen eine Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV Sendung von hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nützen, es sind digitale Verbraucher, die Amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht als Informationsquellen nutzen, die den fake News den Boden entziehen würden.

Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmawechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun neu bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  und wurde nicht nur von einem Teilnehmer des unten genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern? Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake- News: - Fehl Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals  belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet . Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl Falsch und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access. Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-Falsch und des Informationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontext  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern Die Zukunft der Informationswissenschaft, hat die Informationswissenschaft eine Zukunft ? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven, Forschungsfronten und Fragen an die Folgen der Digitalsierung sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung .Mit dem Sammelwerk  Die digitale  Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung sondern auch Museen und  Institutionen stehen  vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern  gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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