Schriftenverzeichnis des Wiener Ethnologen, Sexualwissenschaftlers, Schriftstellers und Verlegers
Eine Bibliographie
2010
259 Seiten
kart.
ISBN 978-3-940862-19-8
25,00
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Auf die Übersetzung von Artemidor von Daldis Traumdeutung durch Krauss bezieht sich S. Freud in seinem Buch Zur Traumdeutung (1900) und zeigt damit den gegenseitigen Einfluss dieser ersten Sexualwissenschaftler aus Wien. Während aber das Werk von Freud auf seinen Erfahrungen als Arzt mit der bürgerlichen Gesellschaft Wiens Anfang des 20. Jahrhunderts beruhte, zeigen die Lieder, Sprüche und Geschichten, die Krauss in den Ländern des Balkans sammelte, wie im Liebesleben dieser Völker das realistische Wissen um Liebe und Sexualität nie verloren ging. Es wirft ein erhellendes Licht auf die Gesellschaft dieser Zeit und ihre sexuellen Unterdrückung, dass Krauss juristische Verfolgung wegen angeblicher Unzucht erleiden musste.

In langjähriger, mühevoller Arbeit hat Hartmut Walravens Schriften und Spuren, Veröffentlichungen in Zeitschriften, Referaten und Rezensionen von Friedrich S. Krauss, dieses ungemein fleißigen und kreativen Wissenschaftlers, Schriftstellers und Volkskundlers, mit Hilfe zahlreicher internationaler Kollegen und Freude gesammelt. Sie reflektieren nicht nur das umfassende Werk von Krauss, sondern auch die lebendige unmissverständliche Sprache der von ihm untersuchten Völker.

Rezensionen

Friedrich Salomo Krauss und sein umfängliches und weitgefächertes Werk sind heute weitgehend unbekannt, am ehesten noch kennt man den Autor, was Südeuropa betrifft, vermutlich im Bereich der südslawischen Folklorik zum Beispiel durch seineSlavischen Volksforschungen (Leipzig 1908, Nr. 480 der Bibliographie). Das Spektrum seiner Arbeiten und seiner Editionstätigkeit reichte darüber hinaus bis zum Geschlechtsleben in Glaube, Sitte und Brauch der Japaner (1907). Der in Slovanska Požega in einer jüdischen Familie geborene, seit seinem Studium in Wien lebende Krauss gehört, so Walravens zu Beginn seiner »Einleitung«, mit Sicherheit »zu den fleißigen und eigenwilligen, sicherlich auch zu den bekannten und meist geschmähten Gelehrten« (S. 13), der sein Leben als Privatgelehrter durch unterschiedliche Tätigkeiten bestreiten musste. Da für die Publikation von Texten aus der erotischen und skatologischen vor allem südslawischen Volkstraditionen ein Publikumsorgan fehlte, gab er das Jahrbuch Anthropophyteria 1904 bis 1913 wie weitere Arbeiten als Privatdruck heraus. Die gegen ihn gerichteten zahlreichen Prozesse wegen angeblicher Unsittlichkeit trieben Krauss letztendlich in den finanziellen Ruin. Die in die Einleitung aufgenommenen biographischen Materialien verdeutlichen das Leben und die Interessen aber auch die Probleme, die die Umwelt diesen Zeitgenossen Freuds, dessen Umfeld man Ihm zuordnen kann, bereitet ist.

Walravens hat in chronologischer Ordnung in bibliographischer Kärrnerarbeit 655 selbstständig und unselbstständig erschienene Titel einschließlich Rezensionen mit möglichst vollständigen Angaben ermittelt und Krauss´ Werk damit erstmals vollständig, durch ein Namen- und ein Titelregister erschlossen, bibliographisch rekonstruiert. Er bezieht verdienstvollerweise (so Nr. 623–624) angekündigte, aber nicht erschienene Titel in die Bibliographie ein, vermeiden solche Informationen doch doppelte Sucharbeit. Enthaltene Texte erschließt er durch Anführung beim jeweiligen Titel, wobei nur auf den ersten Blick stört, dass die Nummerierung der enthaltenen Titel bei den Nummern 371 bis 381 – dem Original entsprechend – in Konkurrenz zur Nummerierung der Gesamtbibliographie durchläuft. Im Anfang dokumentiert Walravens die – insgesamt schmale – »Literatur über Krauss« sowie (nicht immer bibliographisch nachweisbare) Titel seiner Verlage, an denen Krauss nicht als Autor als Herausgeber beteiligt war.

Walravens´ vorzügliche Personalbibliographie erschließt in anders so nicht möglicher Weise das Werk des ungemein fleißigen und kreativen Wissenschaftlers, Volkskundlers und Schriftstellers und mit ihm auch vergessene und verdrängte Aspekte der Kulturgeschichte der von ihm untersuchte Völker. Ein geographisches Register hätte die Arbeit abgerundet. Dem Verlag ist für die Herausgabe des Bandes zu danken, der zeigt, was bei richtiger Konzeption und vertiefter Inhaltserschließung die oft als »altmodisch« geschmähte klassische Personalbibliographie leisten kann.

W. K. in ABDOS-Mitteilungen 31 (2011), Nr. 1–2

Aktuelles

Gezügelte Leidenschaft Das Neo- Quartet Danzig auf dem Festival Oaarwurm 4.0 in Berlin

Ich kann natürlich keinen genauen Vergleich ziehen,  aber im Laufe  meiner Rezensionstätigkeit Neuer Musik für den Verlag Simon-BW war das Konzert des Neos Quartett vom 30.8 in der Brotfabrik Weissensee schlicht eine Offenbarung.  Komponieren – analog oder digital , hat der einzelne Komponist noch eine Zukunft?  fragte der R.T. b ei der Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus Friedrichshain. Die Diskussion lief auf die Frage zu, was Musik bewirkt. Der Einsatz technischer Mittel, so meisterhaft beherrscht von den digital natives, wie sie Gisela Nauck nannte, wurde auf seine  Möglichkeit, geprüft, Menschen zu berühren .

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Liebe in Berlin

Liebeszug nannte sich die Technoparty, die am Sonnabend, den 25.8 in Berlin-Mitte, Frankfurter Allee dröhnte, mit dem Anspruch, auf die Not der Obdachlosen aufmerksam zu machen. Ergebnis: Verletzung,  Einbrüche, Festnahmen und Alkoholisierung, schrieb der Berlin Tagesspiegel vom heutigen Tage.

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Festivals OaarWurm 4.0 - Festival für komponierte Musik 2018

Zum Auftakt des "Festivals OaarWurm 4.0 - Festival für komponierte Musik 2018" am Freitag den 24.August 2018 wird um 17 Uhr im Kulturhaus Friedrichshain Alte Feuerwache in der Marchlewskistraße (direkt am U-Bahnhof "Weberwiese" der Linie U5) im Eingangsbereich eine kleine Musikmesse stattfinden, die dann alle an diesem Tag folgenden Veranstaltungen ein wenig umrahmen wird und noch bis ca. 23 Uhr laufen wird. Das Festival wird dann offiziell eröffnet von einer Podiumsdiskussion um 19 Uhr in der Galerie (projektraum) des Kulturhauses Alte Feuerwache im Erdgeschoss mit dem Thema "Komponieren - anlog oder digital? Hat der einzelne subjektive Komponist noch eine Zukunft?", zu der uns folgende Teilnehmer ihre Teilnahme fest zugesagt haben:

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Fake - News- Fehl- Falsch und Desinformation

Fake News Vom Perspektivwechsel der Gatekeeper lernen  stellte Stefan Zillich www.stz-info,de am 7.6. in der UB der TU Berlin auf Einladung des BAK vor. Gleichzeitig erscheint im Simon Verlag- bw Stefan Hauff- Hartig: Fehl .Falsch und Desinformation aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften, zwei verschiedene Blickrichtungen auf ein großes Problem. Dies zog  trotz sommerlicher Hitze eine  große und interessierte Zuhörerschaft an.

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OaarWurm Festival 2018

Das OaarWurm Festival 4.0 für komponierte Musik vom 24.-25.8. und vom 30. August bis 2. September 2018 im Kulturhaus Alte Feuerwache, Berlin Friedrichshain, Brotfabrik Weißensee und Hartmannsdorf bei Berlin.

Es gilt als ein Festival des Austauschs und der Kommunikation. Es sieht sich als ein primäres Medium für die von Berliner Komponisten präsentierten neuen Arbeiten, die dem genuinen und ganz eigenen Lebensgefühl dieser Stadt in ihren Werken auf der Spur sind, und die hier zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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