kisir und tanbūra

kisir und tanbūra

Dahab Khalil, ein nubischer Musiker von Saï, im Gespräch mit Artur Simon aus Berlin / Dahab Khalil, a Nubian musician from Saï, talking to Artur Simon from Berlin
Artur Simon
Deutsch mit einer CD | English with a CD
2012
207 Seiten
softcover
ISBN 978-3-940862-34-1
26,00
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Dahab Khalil gilt als eines der großen Talente nubischer Musik. Zunächst unbekannt, werden heute seine Lieder überall gesungen.

Anstatt die Schule zu besuchen, trieb er sich herum und war dort zu finden, wo Musik gespielt wurde. Er lernte das Leierspiel und trat damit auf Festen auf. Später erblindete Dahab. Diesem Schicksal fügte er sich. Seine Liebe und Leidenschaft am Musizieren und Singen verlor er aber bis zu seinem Tod nicht.

Das im Buch veröffentlichte Interview, sowie die CD, stellen die nubische Musik und deren Instrumente, wie die Leier (kisir / tanbūra) vor. Es vermittelt auch einen ganz privaten Einblick in die Vergangenheit und das Leben Dahabs.

Dahab Khalil is considered to be one of the greatest Nubian musicians. First unknown did he become increasingly popular in the run of his life. His songs are still presently sung everywhere.

Instead of going to school he was found wherever music could be heard. He learned to play the lyre and even performed during festivities. Later Dahab went blind. He accepted his fate, but did not lose the love and passion to play music and sing.

The published interview as well as the attached CD give not only information about the Nubian music and instruments (kisir / tanbūra) but also show the past and life of Dahab Khalil.

Hörbeispiele von der CD | Samples from the CD

1.  Dahab 1
2.  Dahab 2
3.  Dahab 3

Rezensionen

Das vorliegende Buch hat nicht nur einen zweisprachigen Titel, sondern auch der Text wird komplett auf deutsch und englisch gegeben: Das ist zweifellos sehr nützlich, denn der Inhalt würde sonst nur wenige Interessenten an der nubischen Musik erreichen. Das Vorwort stammt von Dorit Klebe, Musiktheologin an der Universität der Künste in Berlin, und darin resümiert sie die Bedeutung des Buches: In den siebziger Jahren hatte Artur Simon, bekannt als langjähriger Leister der Abteilung Musiktheologie des Ethnologischen Museums in Berlin (bekannt auch unter dem traditionellen Namen Phonogramm-Archiv), verbrachte ein Jahr in Nubien. Dort lernte er den Sänger Dahab Khalil (1927 – 1977) kennen, und es gelang ihm, ihm zu einem längeren Gespräch zu bewegen. Die Fragen wurden dann nach einem ausgearbeiteten Konzept von einem örtlichen Lehrer gestellt und mitgeschnitten, um den sensiblen und etwas scheuen Sänger nicht unter Druck zu setzten. Dahab stammte nicht aus einer Musikerfamilie, sondern aus bäuerlichem Umfeld in Nord-Nubien, einer Landschaft, die durch den großen Staudamm und durch die Grenzziehung 1956 (nach der Unabhängigkeitserklärung Sudans) großen Veränderungen unterworfen wurde. Musik wurde bei der lokalen Bevölkerung oft mit Herumtreiberei gleichgesetzt. In der Tat, als der junge Dahab nach Ägypten geschickt wurde, um dort einen Beruf zu lernen, hatte er nur Ohren für die Musik, die er dort hörte, und auch nach seiner Rückkehr kam es nicht zu einer wirklichen Existensgründung. Er lernte das Leierspiel von einem Bekannten, fuhr am liebsten mit einem Boot auf eine Nilinsel, um für sich selbst zu spielen, trug aber auch bei Festveranstaltungen, meist Hochzeiten vor. Irgendwann, als er so um die dreißig war, verlor er sein Augenlicht und widmete sich nun ausschließlich der Musik da ihm andere Erwerbsquellen abgeschnitten waren. Der Wandel der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Nubien, die stärkere Arabisierung und Globalisierung haben nicht nur traditionelle Vorurteile gegen die Sänger abgebaut, sondern auch insbesondere Dahabs Liedern eine besondere Popularität verliehen. Ob dies auch weiterhin der Fall sein wird, darf in Anbetracht der immer rascheren Modernisierung mit einem Fragezeichen versehen werden.

Das Kernstück des Buches sind das Interview, das lebendig und anschaulich wirkt, da es im Frage- und Antwortstil belassen ist und so der Sänger selbst seine Meinungen und Mitteilungen zu Gehör bringen kann, sowie die Tonaufnahmen seiner Lieber. Letztere sind umso eindrucksvoller, als die Musik den Hörer direkt anspricht und Stimmungen vermittelt, die Beschreibungen nur ansatzweise erläutern können. Eine Transkription und Notation der Lieder wird nicht gegeben, aber einige Lieder sind im Text abgedruckt. Die CD enthält 9 Musikstücke, die nur auf dem Label verzeichnet sind: 1 – 3 Dahab, 4 Wiegenlied, 5 Humb Humb, 6 Escalée, 7 Rahmentrommel, 8 – 9 Hochzeiten in Nubien. Nähere Erläuterungen dazu werden nicht gegeben, aber der aufmerksame Leser/Hörer wird z. B. das Lied Leel (Nr. 2) leicht erkennen.

Im Titel des Buches wird das zentrale Musikinstrument, Dahabs Lieblingsinstrument, genannt kisir, die Leier, eine Jochlaute einfache Bauart, mit einem Resonanzkörper am besten aus Kalbsfell, scheint schon lange in Nubien populär gewesen zu sein: der Name dürfte mit dem griechischen kithara verwandt sein; tanbūr(a) ist der arabische Name des Instruments, das nun vielfach durch al-ūd (arabische Kurzhalslaute) abgelöst wird. Dahab, der in seiner Jugend an Schöpfwerken gearbeitet hatte, teilte mit, dass ihn die Geräusche des escalée (Wasserradsz) besonders inspiriert hätten (vgl. Aufnahme 6). Wir werden daran erinnert, dass in Afrika das Konzept des musikalischen Vortrags (etwa im Konzertsaal) traditionell nicht bekannt war – Musik war eine Sache der sozialen Interaktion, also zum Mitmachen, was sich zwangslos am taktmäßigen Händeklatschen und Fußstampfen des Publikums zeigt.

Dahab wählte seine Inspiration meist aus dem Umfeld; er war wohl eine Ausnahme, wenn er seine Lieder nicht einer Person (etwa einem Mädchen) widmete … Es ist spannend, dem Interview zu folgen und Dahabs Schaffen zu verfolgen, der übrigens durchweg eigene Lieder, keine fremden, sang.

Das Buch wird abgerundet durch einen ausführlichen, meist farbigen Bildteil, der die Texte gut illustriert, ein Kurzporträt Artur Simons sowie ein Verzeichnis seiner (insbesondere hier einschlägigen) Publikationen. In ihrer Einleitung schlägt die Verlegerin Elisabeth Simon, die ihr früheres Berufsleben der bibliothekarischen Auslandsarbeit gewidmet hatte, einen großen Bogen zwischen der Arbeit ihres Mannes, des Musiktheologen, und ihres Sohnes (Komponisten): gelingt es, die traditionelle Volksmusik, wie etwa die nubische, in eine Nische zu retten, bevor sie um kommerziellen Sog verschwindet oder als folkloristische Arabeske überlegt, so sieht sie die moderne (auch gern »Neue«) Musik genannt, gleichfalls in einer Nische, und es ist Aufgabe der (so genannten) Kulturschaffenden, sie dort nicht verkümmern zu lassen. Der Verlag engagiert sich deshalb in dieser Hinsicht besonders. Für die Musiktheologie heißt deshalb seit Jahren die Devise: retten, was zu retten ist. Am Rande sei hier nur erwähnt, dass nicht nur die Technik (Aufnahmemöglichkeiten), sondern auch die Standards als Hilfsmittel bereitstehen: Standards gelten je eher als Vorreiter der Globalisierung und Gegner des Individuell-Schöpferischen; aber die ISMN (Internationale Standard-Musiknummer) erlaubt es, Aufnahmen (Transkriptionen) durch eindeutige Identifikation weltweit zugänglich zu machen, auch wenn diese peripher und außerhalb des Musikhandels erschienen sind.

Das Buch ist eine informative und attraktive Einführung in das Schaffen und das soziale Umfeld eines nubischen Sängers, eine Welt, die heute schon großenteils verschwunden ist. Ziel war es, und das ist voll erreicht worden, allgemeinverständlich ein interessiertes Publikum anzusprechen und nicht durch einen allzu wissenschaftlichen Apparat abzuschrecken. Eine genauere musiktheologische Auswertung hat Artur Simon an anderer Stelle früher gegeben.

Hartmut Walravens im Forum Musikbibliothek 33. Jg 2012, H. 2

Aktuelles

Offenheit und Integration- Menschen und Bibliotheken in Bewegung

nannte sich der 6. Tag der Bibliotheken in Berlin & Brandenburg am 11. März 2017 in Cottbus.

Verantwortung und Herausforderung sind die herausragenden Motto dieser Zeit und damit diese nicht leere Worthülsen bleiben  und der alte Trott gemäß des öffentlichen Dienste, der zunehmend durch eine miserable Verwaltung in Berlin seine  politische und bürgerliche Basis verliert auch die Öffentlichen Bibliotheken unter sich begräbt, hatten sich die Bibliothekare in Cottbus getroffen. Obwohl heute niemand weiß, wie die Zukunft eines Berufsstandes und möge er noch so erforderlich sein, aussehen wird,  kann man angesichts der hier angesprochenen Themen und Diskussionen sagen, hier kann am Mut fassen  Bibliotheksforschung ,.immer wichtiger angesichts  eines immer offensichtlicher werdenden gesellschaftlichen Wandels. Es ist daher eine der besten Ideen  der letzten Jahre, einen Preis für Bibliotheksforschung auszuloben. Wenn auch C. Schuldt mit Bibliotheken erforschen ihren Alltag die ersten Schritte zu einer Bibliotheksforschung getan hat, hier ist der Nachwuchs in welcher Form und Alter zur Aktivität aufgefordert. Lesefähigkeit löste die eingrenzende Informationskompetenz ab und verlor gleichzeitig den pädagogischen Impetus. Eltern wird es  freuen, die angestoßen durch die negativen Urteile über Comix  jetzt zur Kenntnis nehmen, dass Lesefähigkeit sich über und mit allen Medien realisiert. Wie gut ! für eine Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, das nur zu oft von Stress etc geprägt  ist.  Höhepunkt war die Vorstellung des Buches Erwarten Sie mehr  von David Lankes in deutscher Übersetzung durch Professor Hobohm, Potsdam... Es ist das Zeugnis einer Bewegung from collection to communities. Es geht nicht mehr um  reiche Bibliotheken und umfassende Bibliotheken, deren Reichtum Nationen und Regionen schmücken, es geht um die Rolle der Bibliothekare beim Aufbau und der Entwicklung ihrer Community. Dies hat nicht eine eingrenzende Funktion sondern eine  in die  Zukunft gerichtete. Wenn Rassismus- meist aus Angst, dies ist nicht mehr mein Land, oder Fremdenfeindlichkeit die gehören nicht zu uns  die Gesellschaft bedrohen ist die Entwicklung und die Arbeit an einer Community echte Zukunftsarbeit.  Daher war der Bibliothekartag ein richtiger Weg und Schritt in die Zukunft. Wer hat gesagt… Bibliothekare sind nicht mutig,  stimmt nicht !   

Das OoarWurm Festival - Unser Bericht

Nein, ein Ohrwurm war auch das zweite Berliner Festival zeitgenössischer Musik im Kulturhaus Alte Feuerwache im üblichen Sinne nicht. Aber es diente mit seinem spöttisch hintergründigen Namen dem Sinn und Ziel dieser Veranstaltung, der Begegnung und dem Austausch unter Künstlern - der Geburt der Kreativität.

Nicht von ungefähr war die Ausstellung der personfizierten Holzfiguren der Kinder und Jugendlichen aus den Schulen der Nachbarschaft dem Thema Was bin ich verbunden mit der zukünftigen Vorstellung was will ich sein in der Galerie des Kultushauses erste Plattform der Vorstellungen.

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