Handbuch der Kulturzerstörung

Handbuch der Kulturzerstörung

oder wie man aus einer Bibliothek eine Wüstenei macht
Rainer Strzolka
Eine Kampfschrift gegen Zerstörung kultureller Strukturen
2010
359 Seiten
kart.
ISBN 978-3-940862-17-4
28,50

Eine Kultursatire und Provokation! Der Autor, ein bekannter Publizist, Fotograph und Bibliothekar unterzieht in zehn Geboten zur Kulturzerstörung die Kultur-, Bildungs- und Bibliothekspolitik einer gnadenlosen Analyse. Seine Gebote zum Kulturruin sind nicht nur Anleitungen für das Handeln egoistischer Manager und Politiker, sondern sie beweisen auch den mangelnden Zusammenhalt einer Gesellschaft, der nicht bewusst ist, mit welchem Zynismus Grundrechte abgebaut und Versprechen gebrochen werden.

Bibliotheken sind Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. Sie sind daher in einem Land, das auf Bildung und Wissenstransfer für die Gestaltung einer demokratischen Zukunft und einer kulturellen Basis für gemeinschaftliches und verantwortungsvolles Handeln angewiesen ist, grundlegende Einrichtungen. Es erfüllt den Autor mit tiefer Wut und Trauer, wie gegenwärtig, jenseits aller politischen Verlautbarungen, Gleichgültigkeit und mangelnde Verantwortung Kulturinstitutionen und besonders Bibliotheken zerstören.

Rezensionen

Rainer Strzolka: Handbuch der Kulturzerstörung: zehn Gebote, wie man eine funktionierende Kultureinrichtung gegen die Wand fährt oder: Wie man aus einer Bibliothek eine Wüstenei macht. – Berlin: Simon Verlag für Bibliothekswissen, 2010. – 359 S. – ISBN 978-3-940862-17-4 – Kart. - € 28,50

In dem in zwei Teile gegliedertem Buch geht der Autor hart und pointiert mit den aktuellen Entwicklungen in der Bildung sowie Kultureinrichtungen im Allgemeinen und Bibliotheken im Speziellen ins Gericht.Er legt nicht nur den Finger in die Wunde, sondern formuliert mit viel unterschwelliger Ironie und Humor im zweiten Teil auch Zehn Gebote, die in der Wirklichkeit wohl besser vermieden werden sollten, falls man sich ein Überleben der eigenen Einrichtung wünscht.

Wer mit viel Kritik zur Selbstreflexion leben kann und Lust auf harte Positionen zum Kulturbetrieb in Deutschland hat, dem sei dieses Buch überaus empfohlen. Das Buch liest sich nicht nur kurzweilig, sondern der Autor verzichtet in weiten Teilen auch auf die Wiederholung bekannter Kritik. Er wird vielmehr selbst kreativ und wirft ein Schlaglicht auf manchen Irrsinn des Bibliotheksalltags. Strzolka bietet Reibu8ngspotenzial und erzeu8gt so hoffentlich Hitze an manchen Orten, bevor dort die Heizung für immer kalt bleibt.

Zielpublikum: Interessierte der Kultur-,Informations- und Medienwissenschaft.

Ronald Kaiser, 05.09.2012

Infonomy Blog – http://blog.ronald-kaiser.com

 


 

Selbstverständlich ist dieser Text polemisch gemeint: „Er klagt nicht. Er ermuntert, das große Zerstörungswerk, welches unsere Politiker begonnen haben, zu perfektionieren und in den Alltag der eigenen Existenz hineinzutragen“ (S. 13). Der Autor, Fachbuchautor, Kulturjournalist und Photograph, gibt seiner Trauer über die offensichtliche Kulturzerstörung, gibt seinen laufenden Verlusterfahrungen sarkastischen Ausdruck, der das verdeutlicht, was Bibliotheksverbände und Kulturorganisationen seit Jahren analytisch beschreiben, ohne den offensichtlichen oder drohenden Schaden wirklich abzuwenden. In aus ca. 90 kurzen aufeinander aufbauenden, durch eigene Fotografien illustrierten Kurztexten beschreibt er „Kultur-Ruin als erfolgreiches politisches Prinzip“ und entlarvt dabei nicht nur politische Rethoriken, sondern entdeckt auch „Digitalisierung“ als „zentrales Kriterium für Selbstauflösung“ (S. 59): „Die Digitale Revolution ist politisch gewollt. Sie ermöglicht eine fast vollständige Kontrolle über das Individuum, und sie vernichtet historisches Wissen […]. Digitalisierung ermöglicht Zensur in einem bislang vollkommen unbekannten Ausmaß“ (S. 63). Strzolka entlarvt gängige Sprachgebräuche wie vom Bibliotheksnutzer als „Kunden“: „Kunden müssen zahlen. Die Sprachregelung, Bibliotheksgäste als Kunden zu behandeln, ist angeordnetes Ziel unserer Politiker“ (S. 188). Er entwickelt eine weite Perspektive, in der Kultur-, Bildungs-, und Hochschulpolitik exemplarisch für den Zustand der deutschen Gesellschaft erscheinen: „Vielfach wird heute mehr Wert darauf gelegt, das Image eines Produktes zu verbessern, als seine Qualität. […] Qualität ist sekundär, stylishness primär“ (S. 131). Man vermisst nur einen Hinweis auf das im Verwaltungsdenken immer stärker grassierende, möglicherweise auf einen Primitivmarxismus zurückgehende Denken von Quantitäten als Qualitäten, bei dem Stachanov und Hennecke grüßen, denken wir nur an bibliometrische Verfahren zur Messung wissenschaftlicher „Leistung“. Im zweiten Teil (S. 199-346) bietet Strzolka eine „Handreichung“ zur „Praxis der Kulturzerstörung […] unter besonderer Berücksichtigung des Bibliotheksruins“ in „zehn Geboten“ von der Ruinierung von Umfeld und Gebäude, Personalabbau und falscher Mitarbeiterführung über die „Bestandsoptimierung“ bis zu „Vergotte die Technik!“ und fasst so pointiert die Erfahrungen zusammen, die Bibliothekarinnen und Bibliothekare immer wieder machen. Er zeigt aber auch das Zusammenspiel von sich auf „Sachzwänge“ zurückziehender Politik, die zwar dem Tierschutz (Grundgesetz § 20a), aber nicht dem Kulturstaatsgebot Verfassungsrang zubilligt, und bibliothekarischer Modernisierungsanpassung.

„Bibliotheken sind wunderbare Orte“, lautet das Credo des Autors, und sie sind wichtig für den Fortbestand der freiheitlichen Demokratie. Seine aus Trauer und Sorge mit Sarkasmus geschriebene Polemik weist auf eingetretene Verluste und Gefahrstellen. Strzolkas „Handbuch“ ist eine Aufforderung zu Vorsicht und Wachsamkeit – und zu einer offensiven Standortbestimmung von „Bibliothek“ in einer sich digitalisierenden – und damit sich in die Gefahr der Entmündigung begebenden Gesellschaft: Eine Pflichtlektüre für Modernisierungsanpasser und ihre Gegner – und ein geeignetes Geschenk für Kulturpolitiker.

W.K.

In Bibliothek und Medien, Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung , Nr.1, 32 (2012)

Aktuelles

Wissen wird mächtiger- Lange Nacht der Wissenschaften, Berlin 16.6.

Wissen und Herrschaft nannte der Simon-BW. Verlag seinen blog, den er vor einiger Zeit einrichtete, um über Hürden, aber auch Wege zum Wissen zu berichten. Von Fake News… ( Stefan Hauff-Hartig, 2018),  Walter Umstätter( Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum 2009) Willi Bredemeier (Zukunft der Informationswissenschaft, 2019) und Stephan Büttner Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses lässt sich eine rote Linie ziehen zu Wissen wird mächtiger der Meinung in DIE ZEIT vom 16.Juni. Wer es mit der Wissens- oder Innovationsstruktur ernst meint, hat viel zu tun. Er muss  Wirtschaftsstrukturen demokratisieren. Dafür gibt es keine Anleitung meint der Autor dieses Artikels und vergisst, dass die wenigen Strukturen, die es in Deutschland dafür gab, vernachlässigt oder abgewickelt wurden, wie Rainer Strzolka schon 2014 schrieb  (Der Kulturzerstörer. Ein Held unserer Zeit ) Zu dem Diktum Immer mehr Reichtum wird durch immer weniger Menschen erzeugt setzt der Autor seine Forderung nach  Demokratisierung der Innovationswirtschaft, damit die Gesellschaft daran teilhaben und sie gestalten kann und zwar bevor es zur Umverteilung kommt.

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Männer und Frauen sind gleichberechtigt ---- eine langer Kampf - er ist nicht zu Ende.

Nachdem die Weimarer Verfassung den Frauen das Wahlrecht gewährt hatte, setzte Frau Elisabeth Selbert 1948 in einem zähen Kampf die Aufnahme von Artikel 3, Absatz 2 in das Grundgesetz durch, Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Eine Revolution, die nicht zu Ende ist und von vielen Kämpfen begleitet wurde. Bis 1957 dauerte die Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches, weitere 10 Jahre bis das Standes zuweisende Fräulein aus dem Vokabular verschwand und noch heute sind die Entscheidungsgremien in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft überwiegend männlich. Nicht nur die me too Debatte trug dazu bei, dass sich die Gesellschaft zunehmend des noch immer herrschenden Mangel an sozialer Gleichberechtigung bewusst ist.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake- News: - Fehl Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals  belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet . Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl Falsch und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access. Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-Falsch und des Informationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontext  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern Die Zukunft der Informationswissenschaft, hat die Informationswissenschaft eine Zukunft ? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven, Forschungsfronten und Fragen an die Folgen der Digitalsierung sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung .Mit dem Sammelwerk  Die digitale  Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung sondern auch Museen und  Institutionen stehen  vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern  gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Hat der einzelne subjektive Komponist noch eine Zukunft? – über das Berliner Oaarwurm Festival 2018 für komponierte Musik

Es passt in die gegenwärtig aufgeregte Digitalisierungsdebatte, dass  Oaarwurm 4.0 sein Festival mit der Frage begann Komponieren analog oder digital ? und dazu 5 Experten eingeladen hatten, die sich  in einem R.T. dieser Frage stellten (moderiert von A-.O. Simon) Allen Teilnehmern: Frau Dr. Gisela Nauck Chefredakteurin der Fachzeitschrift Positionen, Michael Quell, Komponist und Hochschullehrer, Dr. Roland Jerzweski, Literaturwissenschaftler und Europa Experte. Dr. Gerhard Koch, Journalist, FAZ und Professor Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg, FB Digitale Medien und Auditive Gestaltung waren einige Punkte zu Gestaltung des Gespräches vorher  zu gegangen. Außerdem hatten sie die Erinnerungen des Manfred Reichert: Fremder Ort Heimat, Berlin 2018 erhalten. Dieses Buch ist mehr eine Geschichte der Rezeption von Neuer Musik als eine persönliche Lebenserinnerung, weil sich in den zahlreichen hier veröffentlichten Rezension der Konzerte von M. Reichert die Rezeption Neuer Musik spiegelt, deren Anfänge Reichert in ersten Konzerten dem deutschen Publikum näher gebracht hatte.

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Gezügelte Leidenschaft Das Neo- Quartet Danzig auf dem Festival Oaarwurm 4.0 in Berlin

Ich kann natürlich keinen genauen Vergleich ziehen,  aber im Laufe  meiner Rezensionstätigkeit Neuer Musik für den Verlag Simon-BW war das Konzert des Neos Quartett vom 30.8 in der Brotfabrik Weissensee schlicht eine Offenbarung.  Komponieren – analog oder digital , hat der einzelne Komponist noch eine Zukunft?  fragte der R.T. b ei der Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus Friedrichshain. Die Diskussion lief auf die Frage zu, was Musik bewirkt. Der Einsatz technischer Mittel, so meisterhaft beherrscht von den digital natives, wie sie Gisela Nauck nannte, wurde auf seine  Möglichkeit, geprüft, Menschen zu berühren .

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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