Was uns bewegte

Unter diesem klugen Motto fand der 6.Leipziger Bibliothekskongress statt. Die Leipziger Messe ist ein hervorragender Platz für Bibliothekskongresse, die Raumaufteilung übersichtlich und gut ausgeschildert. Die Ausstellungen befinden sich neben den Tagungsräumen, so dass die Besucher, nicht nur schnell die Veranstaltungen finden, die sie besuchen wollen, sondern sie können auch die Pausen zweierlei nutzen. Für intensive Gespräche, die immer eine großen Rolle spielen, wenn sich nur zwei Kollegen treffen und gleichzeitig zur Information über alle Dienstleistungen, die das Leben und Wirken der Bibliothekare effizienter und noch bessern machen wollen, zur Entwicklung ihrer Rolle und Dienste. Gleichzeitig bot der Bibliothekskongress einen nahtlosen Übergang zur Buchmesse vom 17.-20. März.

Selten  fühlten wir uns so wenig informiert wie nach dem Brexit. Ein Land, das wir wegen seiner Informationskultur bewunderten , fällt eine Entscheidung, die von den meisten Deutschen nicht nachvollziehabar ist. Wissen wir, warum, die Briten in dieser Weise abgestimmt haben. Nein, wir wissen es nicht, wie auch DIE ZEIT am Sonntag den 3. Juli zwei Meinungen nebeinander stellt Ja und Nein  und beide sind einleuchtend. Mit  eindeutigen Zusteilung nach politischen Parteien hat diese Meinungsäußerung nichts zu tun, sondern erfordert sorgfältige  Recherchen und Informationsbeschaffung. Desto mehr die offiziell geäußerte Meinung nicht zutrifft, desto mehr fühlt sich die  die Öffentlichkeit mißverstanden, eine Gefahr für die Demokratie. Was hilft dagegen, nur umfassende Unterrichtung,selbstbestimmt und mit einem offenene Zugang  für alle verfügbaren Informationen  für imformationskompetente Menschen, die sich alleine informieren wollen und können. Sie wollen dies und keine Belehrung . Informatioonskompetenz ist erlernbar und wichtige r für uns alle. Sie ist der einzige Weg und das einzige Mittel gegen Hass und Wut . Bibliotheken vermitteln Informationskompwetenz  und helfen bei Recherchen.

„Amerika war groß, mutig und stolz“, schreibt die Korrespondentin der Zeit in den USA, Frau K. Kohlenberg am 8. Dezember 2016 an ihre Tochter. „Es war so ganz anders als mein Zuhause.“ Dies trifft den Nerv einer ganzen Generation. Angesichts einer Tabula rasa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur auf dem Gebiet der Politik, auch der Kultur, stürzte sich die jungen Generation auf Schau heimwärts Engel (Thomas Wolfe) und auf Dos Passos` Manhattan Transfer, Dieser, einer der ersten Großstadtromane, wurde zur begehrten Lektüre. Jazz, die Ethnomusikologie, neue Gebiete und neue Kultur fanden ein neues Selbstverständnis nach Abschottung und feindlichen Labels wie Negermusik und anderen Kulturschrott, der auch in der Nachkriegszeit verbreitet wurde.

Wie ein Häuflein der 7 Aufrechten mit ihrer so frech-bunten Fahne standen die Piraten vor dem Restaurant Kosmos mit ihrem Protest gegen die Gema und deren Gebührenpoltik, als die zahlreichen Mitglieder zu ihrem Mitgliederfest strömten. Bildhaft wurde hier das Scheitern einer Politik deutlich, von der sich so mancher Berliner vor Jahren endlich den Weg in eine digitale Verwaltung erhofft hatte. Der Antrag auf einen neuen Reisepass erfordert heute mehr Zeit als in vordigitalen Zeiten, so irreführend kann Politik sein, wenn sie auf die falschen Pferde setzt.

Unter diesem Motto stand nicht nur die Neueröffnung der Kogge Halle am 14. März in Bremerhaven sondern auch um  eine neu gestaltete Beziehung zwischen Mensch und Meer. Das Meer war Bedrohung und Sehnsuchtsort für Abenteuer und ferne Länder, für ein Leben jenseits des Alltäglichen, wie es die zahlreichen Tagebücher von Seefahrern  auch Rudolf Zimmermann, Gute  Wache, gute Ruh bezeugen. Dieses Leben ist tot und gehört der  Vergangenheit an, wie zahlreiche Berufe, die mit der Schifffahrt zu tun hatten, Taliman, Shipbroaker etc. Trotzdem hat das Meer seine Faszination und auch Bedrohung für den Menschen nicht verloren, wie die Katastrophe vor drei Jahren  in Japan zeigte und die Wanderungen  an die Nord- oder Ostsee zahlreicher Familie mit  Kindern oder ohne während der Ferien  und  auch während dunkler Winternächte. Das Meer hatte und hat eine ungebrochen Faszination, . in einer Zeit, in der Menschen die Natur mit Ihren Gewalten oft  vergessen. Wie sehr der Mensch mit  dem Meer verbunden ist, zeigen nicht nur die Erforschung  unbekannter  Wesen in der Tiefe der Meere sondern auch  zunehmen unsere Einblicke in das Klima und deren Gefährdung.

Durch die Falschmeldung des angeblich vergewaltigten Mädchens sind die Russlanddeutschen auch im Deutschlandfunk in den Fokus einer manchmal aufgeregten Diskussion um Asyl, Migration und Flüchtlinge in Deutschland geraten. Dabei sind die Russlanddeutschen eine Bevölkerungsgruppe, die seit dem Zusammenbruch des Zarenreiches und nach dem Ende der beiden Weltkriege eine große Rolle in Deutschland besonders in Berlin spielten. In den Jahrhunderten davor spielten deutsche Einwanderer in Russland eine große Rolle, die ihren Niederschlag in zahlreichen Novellen fanden, so zum Beispiel bei Tschechow, dessen Figuren in seinen Erzählungen oft der russischen Sprache wenig mächtig waren. Unattraktiv und ohne Humor erfüllten sie ein gewisses Rollenbild, was auf Deutsche in der Gesellschaft hinwies. Viele dieser Russlanddeutschen, z.B. die Wolgadeutschen und dem zu Folge die Kasachen, die als Russen betitelt von dem ehemaligen Kanzler Kohl in Land geholt wurden mit dem Motto der Politik dieser Tage das Tor ist offen. Sie verfügten oft über deutsche Wurzeln. Nur die ältere Generation sprach oft ein – wenn auch altmodisches Deutsch. Begeistert wurden diese Russlanddeutschen nicht aufgenommen. Sie mussten ihre deutsche Herkunft beweisen, da nach deutschem Recht eine solche Abstammung immer noch der beste Beweis für eine barrierefreie Aufnahme war. Aber trotz der in der Sendung gegenteiligen Behauptung verlief die Integration dieser Bevölkerungsgruppe ruhig, ja manchmal sogar beschämend, wenn z.B. Maria Kabo in ihrem Buch Die Bibliothek als Integrationsfaktor ISBN 978-3-940862-09-9 darauf hinwies, dass wir es bei den Migranten aus russischen Ländern mit einem Lesevolk zu tun haben, denen lediglich die digitale Kompetenz fehlt und die in den Bibliotheken ein Stück Heimat suchten.

Warum hat man nicht Ethnologen und Historiker in die Diskussion um die Flüchtlingsströme einbezogen, die Deutschland, ja Europa in Unruhe versetzen. Scharen von Flüchtlingen, die eine neue Heimat suchen, sind wirklich nicht neu: Das wunderschöne Venedig wurde von ihnen aufgebaut, die nach dem Niedergang Ostroms nach Westen geflohen waren.  Venedig selber vertrieb mit der Steuerpolitik die im Ghetto lebenden Juden zum Schaden für die Republik, denn das Druckgewerbe in den Niederlanden, heute noch beherrschend durch große Verlagshäuser hat dort ihnen Ursprung. Und Preußen ! – auch dieser arme Staat mit seinen Sandböden wurde durch Flüchtlinge aufgebaut:  Holländer errichteten Deiche und  die Frage, ob die in den 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Berlin sich etablierende Mode, ihren Ursprung bei den Hugenotten hatte, kann nicht eindeutig beantwortet werden.. Und die USA – ein Land, das von Flüchtlingen aufgebaut wurde, Menschen, die vor Armut und Willkür des alten Kontinents flohen. Wir wollen hier nicht noch mehr Beispiele aufführen und  sondern verweisen auf den Lesezirkel, der am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven  stattfinden wird:

Einwanderung und Integration - Was bedeutet das?

www.davidlankes.org

Karlshorst war als militärisches Quartier der russischen Besatzung bekannt. Wussten Sie, dass Kafka 1916 sich dort ansiedeln wollte, wie er mit seiner Verlobten besprochen hatte? Am Montag, den 12.10 hatte der Anthea Verlag zur Karlshorster Abendgesellschaft eingeladen, zum Thema: Die Kunst geht nach Brot, dem bekannten Ausspruch Lessings. Es ging- ein sehr seltenes Thema in der heutigen Zeit – um die heutigen Lebensbedingungen von Kreativen- es ging um Kunst und Kultur im sozialen Umfeld. Wie werden Kunst und Arbeit entlohnt oder ist Brot Kunst? Wie sagte Bill Clinton It‘s economy stupid – das heißt alle Kunst muss sich verkaufen und gibt damit dem Ausspruch Lessings im gewissen Sinne Recht. Hier ist im Kernsatz der kulturelle Unterschied zwischen der deutschen und amerikanischen Kultur definiert. Während in Deutschland die kulturelle Förderung des Staates nicht der Daseinsvorsorge seiner Künstler gilt, sondern der Entwicklung von Bildung und Kreativität seiner Bürger, ist die Kultur und Kunst in den USA weitgehend dem Markt überlassen. Durch den Anteil von großen Stiftungen an der Entwicklung von Bildung und Kultur in Amerika, werden hier ähnliche Strukturen mit der Förderung von Kunst im 14. Jahrhundert, besonders in Italien, deutlich.

Weiß die Buchmesse in Frankfurt/Main eigentlich, was sie an Herrn Dr. Bredemeier und seiner Kohorte hat? Man mag sich mit dieser Frage irren, aber der Ort, an dem 30 Jahre Password gefeiert wurde, ein positives Zeichen auch für die Berichterstattung, die diese Zeitschrift der Buchmesse in den letzten drei Jahren gewidmet hat, war diesem Ereignis nicht angemessen. Man ist versucht, dem neuen Direktor der Buchmesse Jürgen Boos, der im TV eine Neugestaltung der Messe erläuterte, eine Zeitreise ein späteres Lebensalter vorzuschlagen. Die Stühle in dem Cafés des internationalen Bibliothekszentrums sind nur für junge Leute, aber ab 30 sitzen diese auch lieber bequem, wie man den Bibliotheksanbietern in diesem Zentrum ansehen konnte. Außerdem war ihre knappe Anzahl dem Austausch nicht förderlich, auch für die Anbieter enttäuschend, die etwas einsam an ihren Tischen saßen. Der BIB, der immerhin seine Jahrestagung in Leipzig vor der Messe abhält, saß ebenfalls etwas verloren in einer kargen Ecke.

Die Bibliothek als Idee In diesem Jahr der Jahrestage und Jubiläen mit oft rückwärts gewandten Erinnerungen veranstaltete die online Zeitschrift libreas zur 10. Wiederkehr ihrer Erscheinung ein Symposium – die Bibliothek als Idee. Dies paßt zu ihrem Namen und ihrem Vorhaben, Libreas—Library Ideas (https: libreas.wordpress.com) Nun mag dieser Name dem jugendlichen Alter seine Gründer geschuldet sein, die damals der Abwicklung des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin die Gründung dieser Zeitschrift entgegen setzten. Die Zeit hat ihnen Recht gegeben, es war die richtige Idee- auch in der Vorausschau auf die Zukunft. Die Idee der Bibliothek oder auch die Bibliothek als Idee ist ein zukunftsweisendes Projekt auch auf dem Hintergrund der politischen Ideenlosigkeit, auf welche Weise Deutschland endlich in der digitalen Welt mit einer digitalen Gesellschaft ankommen will. Bestimmt nicht mit einigen hingemurmelten Worten der Kanzlerin, dass die digitale Angenda jetzt Chefsache sei und bestimmt nicht mit der Forderung, die Zahl der Professoren auf diesem Gebiet aufzustocken, wie und wo auch immer es passen möge. Da mag ein Nachdenken darüber, dass 5 Schüler für einen PC evt nicht ausgewogen sind, von der fehlenden Fortbildung abgesehen besser passen. Auch die gewachsenen Ansprüche an das PersonaL – es muss u.a. über umfassende IT Kenntnisse verfugen, würden nicht ausreichend honoriert, wurde im Wissenschaftauschuss des Abgeordnetenhausesin Berlin gesagt.- 

Bibliotheken - von Anfang an Zukunft nannte sich der 104. Bibliothekartag in Würzburg, ähnlich dem Motto des 95. gemeinsam für die Zukunft ihrer Bibliothek . Und so ging es weiter. Nachdem Nr. 1 der b.i.t. Kongress News noch zum Abschneiden alter Zöpfe aufforderte, fragte Nr. 2 nach Neuen Kompetenzen, neuen Fähigkeiten und neuen gesetzlichen Regelungen. Damit stellte sich diese Berufsgemeinschaft den Forderungen, digitale Inhalte vermitteln zu können „ein Buch ist ein Buch“. Neue gesetzliche Regelungen sollen die Benachteiligung digitaler Medien und Techniken beenden. Mit der bevorstehenden Novellierung des Urheberrechts werden klare Formulierungen mit einer pauschalen Regelung zur Nutzung digitaler Werke im digitalen Zeitalter gefordert. Dem stehen viele Hürden entgegen, besonders die Klassifizierung eines E-Buches nicht als Buch sondern als Datenbank. Dies trifft besonders die Öffentlichen Bibliotheken, die beim Erwerb und Ausleihe elektronischer Bücher sehr eingeschränkt werden, wie der Bibliothekartag in Bremen gezeigt hatte. Dies widerspricht eigentlich dem Willen einer Regierung, die sich die Förderung der Digitalisierung der Bürger verschrieben hat. Die Zöpfe müssen also nicht nur bei den Bibliotheken oder Bibliothekaren gestutzt werden, sondern auch bei einer Regierung, die für Wissen und Forschung die Rahmenbedingungen vorgeben soll und dabei oft hilflos wirkt, wie der neueste Skandal bei der Vernetzung der Berliner Schulen zeigt, bei der wieder Millionen in den armen märkischen Sand versenkt wurden.

Kennen Sie das schönste Museum Europas. Das neue Schiffahrftsmuseum in Tallinn Seaplane Harbour - aber wenn Sie nicht nach Tallinn fahren können lesen Sie das Tagebuch des Kapitäns Rudolf Zimmermann, Gute Wache, gute Ruh von Abenteuern in Afrika und in der Welt mit einem bedrohlichen Schiffsbrand. (auf unserer Webseite unter Zeitzeugen).

Keine Zeit eignet sich so gut zur Rückschau wie der dunkle Dezember. In Tagebüchern und Berichten stellen wir ganz unterschiedliche Leben vor, die durch ihre Authentizität uns nicht nur fesseln und interessieren, sondern auch helfen, unsere eigene Zeit und unser Leben besser zu verstehen, eine gute Lektüre zum Jahresende und Jahresbeginn.

Zum Beispiel die Tagebücher des Johannes Spiecker, die nicht nur das Leben eines mutigen Mannes aufzeigen, sondern auch die Probleme, die heute Afrika der Welt bereitet. Der Antiheimatroman von Willi Bredemeier verdeutlicht die Probleme eines Bundeslandes, die sich sehr früh ankündigen und trotzdem, auch heute, möchte man sagen, nicht wahrgenommen werden. Man mag es kaum glauben, die Wege der Hoffnung des aus Litauen in die USA eingewanderten Kasickas berühren sich mit dieser Entwicklung. Wie sehr die Moderne unser Leben verändert hat, zeigt der knappe Lebensbericht des ehemaligen Kapitäns Rudolf Zimmermann, der vergangene Welt der Schiffe und der Meeren thematisiert, dass diese Strukturen der Vergangenheit auch heute noch spürbar sind, liest man in dem 1894 erschienen Roman von Nataly von Eschstruth, Polnisch Blut. Die Kommentare von Gegenwartszeugen machen deutlich, dass die Nachbarschaft Polen - Deutschland immer noch mit Problemen behaftet ist. Zweifellos kann diese globale Welt durch die Musik zusammengehalten werden, wie uns Höre Hespos vorführt, ein ehrlicher und persönlicher Austausch, was in dieser Form noch nie von diesem und über diesen modernen Komponisten geschrieben wurde. Zeiten und Kontinente entfernt, zeigt das Gespräch zwischen Artur Simon und dem großartigen nubischen Sänger Dahab in Kisir und Tanbura, wie das Leben dieser so unterschiedlichen Künstler sich um Musik dreht, alles andere verliert an Bedeutung. Aber auch das tägliche Leben muss bewältigt werden, wie die leidige Berliner Schulverwaltung durch Reinhold Grothe in Lebensworte eines Liebenden. Dem Kampf mit einer Krebserkrankung stellte sich Renate Zimmermann in Platzverweis für eine Erbse.

Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Zeit- und Lebensreise in eine hoffentlich gutes Neues Jahr. Die Planung unserer Programme für 2015 veröffentlichen wir im Januar

Die Zukunft der Kohle- das wird teuer und unbequem schreibt der Berliner Tagesspiegel am 24. April. Endverwaltet Deutschland wieder die Zukunft?

In der vollbesetzten litauischen Botschaft wurde am 23.4 das Buch von Joseph Kazickas präsentiert Wege der Hoffnung ISBN 978-3-940862-74-7 auch als E-Book 978-3-945610-20-6 . Beide Übersetzer sowohl vom Litauischen ins Englische, Valdas Bartasevicius als auch Erdmute Lapp vom Englischen ins Deutsche stellten die Geschichte dieses Buches vor, die ungewöhnliche Lebensgeschichte eines Aufsteigers vom litauischen Emigranten zum wohlhabenden Geschäftsmann, in den Vereinigen Staaten und späteren Wohltäter Litauens.

(Bibliothek, Information und Dokumentation)

Walther Umstätter

Am 30.10.2014 beim BAK (Berliner Arbeitskreis Information), anlässlich der Lesung von W. Bredemeier, aus seinem Buch „Anti-Heimat-Roman“ in der Bibliothek TU /HdK Berlin im Volkswagenhaus)

Vorwort Als im Oktober 1989, über 20 Jahre nach ihrer Gründung die Bibliothekarische Auslandsstelle des ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstituts eine Gruppe leitender Bibliothekare aus Ost- und Mitteleuropa in die Bundesrepublik für ein Fachseminar mit anschließender Studienreise eingeladen hatte, war das ein- und erstmalig. Jeder einzelne Teilnehmer musste noch über die betreffende Botschaft eingeladen und mit einem Visum ausgestattet werden. Die Gruppe besuchte auch den Dokumentartag in Bremen. Schweigend und mit zunehmenden Erstaunen nahmen sie an einer Sitzung teil, die von dem Vertreter des damaligen BMFT beherrscht wurde, mit dessen finanzieller Förderung das damalige hochgelobte Programm zur Informatisierung der Bundesrepublik ins Leben gerufen worden war. Aber nicht nur sie schwiegen, sondern auch die Teilnehmer. Ein tschechischer Kollege flüsterte mir leise ins Ohr, das ist ja wie bei uns. ----Bis ein junger Mann das Wort ergriff und auf das nahe liegende hinwies, dass ein solches Programm die Infrastruktur entbehrte und dass dies nicht ohne die Bibliotheken so bewältigen sei. etc…….Es war Herr Umstätter. Gedankt hat ihm keiner diesen Mut, aber er ist heute noch da, mit hörbarer Stimme, während alle die anderen Anwesenden, die Mitglieder des Instituts Dokumentation, die Mitarbeiter der GMD etc. verschwunden sind. 

Die Attacken gegen das Abkommen der EU mit den USA (TITTP) richten sich nicht nur gegen die Einführung von Chlorhühnchen. Es handelt sich nämlich nicht, wie die Politik sagt, nur um ein Zollabkommen, das den Men¬schen durch einen leichteren Handel Glück und Wohlstand bringen wird – sondern es ist auch ein Clash der Buch- und Lesekultur.

Wie die beiden kroatischen Wissenschaftlerinnen Horvat und Zivkovic in ihrer Veröffentli-chung „Zwischen Öffentlich und Privat“ heraus stellen, ist das Buch für Europäer zugleich Kulturgut und Wirtschaftsfaktor, für die US- Amerikaner jedoch, ausschließlich ein Wirtschaftsfaktor. Eine Förde¬rung des Buches, der Kultur und Wissenschaft, ist für die USA einzig Sache der Bibliotheken. Dies ist in Deutschland und Frankreich nicht in diesem Maße der Fall. Beide Länder beein¬flussen die Buchpolitik. Frankreich eher durch ministerielle Einrichtungen wie z.B. die „direction de livre“ und Deutschland durch bestimmte Maßnahmen, wie zum Beispiel die Buchpreisbindung, den ermäßigten Steuersatz, durch die VG Wort, ermäßigte Postgebühren und letztendlich auch durch das Büchergeld für Professoren.

Der Bibliothekartag in Bremen vom 3.-6. Juni stand unter dem Motto Bibliotheken: Wir öffnen Welten. Wie zur Bestätigung verteilte der Weltverband der Bibliotheken, IFLA einen Trendreport und definierte auf einer Seite fünf der weltweiten digitalen Trends, die das Informationsumfeld verändern werden. Das ist mutig, denn eine rapide zunehmende Verunsicherung zeigt, dass die gegenwärtige Entwicklung völlig anders ist als wir uns das vorgestellt hatten und wie es auch divers, aber mit großer Häufigkeit, vorausgesagt worden war. Daher war es sehr gut, dass der Bibliothekartag nicht nur neue Themen anschnitt, wie Crowdfunding, eine Antwortaktiver Menschen auf ein immer undurchsichtiger und bürokratischer werdendes Fördersystem sondern auch Themen genügend Raum gab für eine ausführliche Betrachtung und Urteilsbildung wie z.B. das e-book , das immer noch einen kleinen Prozentsatzes des Buchumsatzes darstellt aber deren Ausleihe in den Bibliotheken auf viele Schwierigkeiten stößt. Wenn man hört, dass der kluge Verbund aus Hessen durch die Regularie, dass ein e-book nur einmal zur gleichen Zeit ausgeliehen werden kann, sich gezwungen sieht, 67 Kopien anzuschaffen, damit wenigstens eine Kopie jedem Mitglied des Verbundes zur Verfügung gestellt werden kann, sieht man sich um Jahrzehnte zurück versetzt. Vor mehr als 50 Jahren warteten immer eine große Bande von Jungen zwischen 10-und 14 auf die Öffnung der Jugendbibliothek in Offenbach /Main, um dann in einem Olympia verdächtigen Sprint ein Karl May Buch zu erobern, von denen es nur 5 gab. Jetzt könnten wir mit einem Knopfdruck 100 Exemplare ausleihen! So stehen der Ausbreitung des e-books und besonders der Verleihung- den Unterschied zwischen verleihen und vermieten muss heute jeder Bibliothekar verinnerlichen,- Marktinteressen und juristische Bedenken entgegen- das ist schade. Zwar nicht den alten Beständen, wie das beliebte Buch von Lydia Janotta Mach dich aus dem Staub, Staub und Schmutz in Bibliotheken beweist, nur sollte vor lauter Konzentration auf Trends und steigende Nutzerzahlen die Ziele der Bibliotheken nicht aus den Augen verloren gehen, wie die Direktorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz leise andeutete. Die Zukunftswerkstatt zog wieder viele Besucher an, man wollte sehen und ausprobieren. Aber auch hier der erschütternde Bericht der amerikanischen Kollegin aus Chattanooga, Tennessee und die Furcht der öffentlichen Bibliotheken, dass die bröckelnde demokratische Basis der Vereinigten Staaten auch die Öffentlichen Bibliotheken bedroht. Wenn Trend 4 sagt inhyper-vernetzten Gesellschaften verschaffen sich neue Stimmen und Gruppen Gehör oder Trend 5 Transformation der weltweiten Informationswirtschaft durch neue Technologien schimmert in diesen Sätzen etwas von der radikalen Veränderung durch, deren soziale Umwälzungen und Auswirkungen uns nicht bekannt sind. Dem Bibliothekartag ist hoch anzurechnen, dass er diesen Trends Stimme und Raum gab. Ein wirklich informierender fortbildender Bibliothekartag, ich wünschte nur, ich könnte zum Verzweifeln eingeschlossene Finanzbeamten mitschleppen, die absolut nicht einsehen wollen, warum ein kleiner Fachverlag auf einen Kongress seines Faches fahren muss. Es fehlt immer noch an der Imagebildung. Aber dafür muss man sich öffnen und wenn es der oberste Kragenknopf ist.

Michael Haufe, ein Freund und to be Autor des Verlages starb gestern am 11.Dezember an den Folgen eines Wespenstiches vom letzten Sommer. Herr Haufe las die wunderbaren Gedichte und Geschichten von Susanne Brandt auf der dem Buch Lauschen und Lesen beigefügten CD ISBN 978-3-940862-06-8 Mit seinem uns vorliegenden Manuskript, Ideen für eine multiversale Verfassung hat er viele Probleme, die jetzt am Horizont auftauchen oder denen wir schon konfrontiert sind, hellsichtig definiert. Wir sind sehr traurig, dass dieser kluge und ideenreiche Mensch von uns gegangen ist.

„Die Kunstanschauung einer puritani- schen Kunst ist derart, ...“

Die Kunstanschauung einer puritanischen Kunst ist derart, dass die Kunst die Moral bestärken und den Patriotismus schmeicheln soll. Eine puritanische Kunst weiß gar nicht, was Kunst ist, lässt Lawrence Durrel eine seiner Hautpersonen in seinem Roman Clea sagen, dem 4. Band seines Alexandria Quartetts, die in den 60er Jahren Bestseller waren. Ist die Zeit in Russland stehen geblieben?

Wofür wird zeitgenössische Musik gebraucht? wird die Geigerin Patricia Kopatchinskakaja in einem Interview in Concerti Juli August 2014 gefragt und sie antwortet mit der Gegenfrage, wofür hat man Vivaldi und Mozart gebraucht?

Ich jedenfalls brauche die Neue Musik wie ich täglich neue Lust zum Atembrauche. Nein, sie ist nicht beliebt die Neue Musik, Leere Säle und eingeschlossene Zirkel beweisen es, es ist ihr noch nicht gelungen, die Herzen der Menschen und besonders ihre Ohren zu erobern. Schlager, Pop und ähnliche Musikprodukte füllen zwar den musikalischen Alltag vieler Menschen aus, aber die Neue Musik verliert dabei weiter an Stellenwert. Aber sie ist damit nicht alleine. Eine immer größer werdende Schar ausübender Künstler und deren mitunter beachtliche Leistungen wurden in den Konzerten Nachgefragt oder Zeitgenössische Musik hautnaht einem Publikum vorgestellt, das sich bewußt der Qualität dieser Konzerte nicht verschloss, und sich anrühren ließ. Mangelnde Qualität, die Musik oft mehr nach Modernität und Zugehörigkeit zu bestimmten Zirkeln beurteilt steht diesem Verständnis der Neuen Musik oft feindlich gegenüber. Dazu spielt die Förderpolitik oft eine unheilvolle Rolle, die die Förderungen oft nach der politischen Rolle der Musik beurteilt und unterstützt. Dabei gibt es nichts, was besser Grenzen sprengt und überwindet und das Leben bereichert. In allen Kulturen gehört Musik dazu und das seit Zehnausenden von Jahren, wie es das schöne Grab Bild der Musikantinnen aus Ägypten beweist. Die Frage ist nur, welche Musik relevant bleibt. Es ist meine Lebensaufgabe, das herauszufinden - zusammen mit dem Publikum, antwortet die Geigerin auf die Frage ob die Neue Musik eine gesellschaftliche oder politische Relevanz hat. Das ist eine typische Frage der Gegenwart. Aber wer bestimmt diese Relevanz, die Politiker die damit sehr oft quer zur Allgemeinheit stehen, wie die vielen Umfragen zeigen, die auch nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden.

Wann kann man seinen Autoren begegnen und mit ihnen sprechen? Über ihre Themen, ihre Bücher und ihre Pläne. Und die Autoren? Sie begegnen ihren Lesern. Das Internet hat unsere Lese- und besonders unsere Informationsgewohnheiten geändert, aber nicht unsere Liebe zur Literatur, unsere Neugier auf neue Geschichten, für schon in früheren Zeiten sich die Menschen auf den Marktplätzen versammelten. Unser Wunsch nach Kommunikation ist ungebrochen, und wo findet ein innigeres Gespräch statt, als zwischen Autor und Leser, besonders wenn es auf einer Biographie beruht, wie die Reise durch die Zeit des Anti-Heimat Romans des W.- Bredemeier. Schlösser, Könige, Musik des Barock für Kinder? Wie gebannt lauschten sie in der Lesebude der Geschichte um den Sonnenkönig Ludwig XIV und seinem Komponisten Lully.

Lesen im kindlichen Raum. Erlebnisse in Russland und der Welt nannte der wissenschaftliche Rat der Leseforschung an der Akademie der Wissenschaften in Moskau seine Konferenz, zu der er am 14.-15. November zahlreiche russische Fachleute, aber auch Vertreter aus Bulgarien, Finnland, der Ukraine und Deutschland eingeladen hatte

Der Basis und Blickrichtung der Konferenz folgend fand diese in der Staatlichen Kinderbibliothek Moskau und in der Pädagogischen Akademie statt.

Haben Sie Kaffee? – Heiteres aus dem Oderbruch, von Daniela Boremski

Auch hier in Lebus, 60 km östlich von Berlin, ist der Herbst angekommen. Die schillerndsten Grün-, Gelb- und Rottöne verzaubern Felder, Wald und Wiesen in ein Farbenmeer der Superlative. Man kann sich aber auch der Geschichtsträchtigkeit dieses Landstriches nicht entziehen. Die letzte große Kriegsschlacht und Überschwemmungen haben ihre Spuren hinterlassen, aber davon haben sich die Menschen nicht unterkriegen lassen. Haben ihre Dörfer und Städte immer wieder aufgebaut. Das Oderbruch ist ein Paradies für Naturliebhaber.

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung vom 17.-21. September 2013 fand in der Hochschule Carl Maria von Webern, Dresden unter der freundlichen und effizienten Leitung von Professor Dr. Manuel Gervink und seines Assistenten Peter Motzkus, MA statt. Das Symposium Klang und Semantik in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts warf interessante Blicke auf die Moderne Musik (Nicht Neue Musik, wie sie Prof. Petersen )definiert, wie zum Beispiele der Einfluss der Linguistik, in erster Linie von Levy Strauss und anderen, die der Sprache der Dinge (chosage) das Brabbeln der Komponisten entgegen gesetzt haben. Auch Paul Hindemiths Unheimliche Aufforderung 1923 mit einem Text aus einer Imkerzeitung passte in dieses Thema, denn unter der Maske der Ironisierung, die sich in erster Linie gegen Strauss richtet, werden wieder Gefühle sichtbar. Hindemith ist zurZeit aus den Konzertsälen Berlins weitgehend verschwunden. (Desto erfreulicher war es, am Wahlsonntag in der Alten Feuerwache in Berlin die Sonate für Flöte und Klavier zu hören) . Das ist schade, denn man sollte diesen Komponisten, der aus Deutschland auswandern musste, nicht gänzlich dem Ausland überlassen.

Aktuelles

Besser spät als nie!

schwarz fertig

Besser spät als nie mit diesen Worte schaffte es die Bibliotheks- und Informationswissenschaft auf die Titelseite von Bild /Berlln und Brandenburg Streiks, Umwälzungen, Reformen , waren keines Berichtes würdig. Noch nie war eine solcher PR. Gag der  Bibliotheks- und Informationswissenschaft gelungen, was jetzt am 18. April einer 80 Jährig Dissertantin so strahlend gelang  und ausgerechnet mit einem Thema, das der Politik ein Handeln vor Augen führt. deren Folgen sich mit der Zeit nicht verflüchten werden, sondern an negativem Gewicht gewinnen.

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Das OoarWurm Festival - Unser Bericht

Nein, ein Ohrwurm war auch das zweite Berliner Festival zeitgenössischer Musik im Kulturhaus Alte Feuerwache im üblichen Sinne nicht. Aber es diente mit seinem spöttisch hintergründigen Namen dem Sinn und Ziel dieser Veranstaltung, der Begegnung und dem Austausch unter Künstlern - der Geburt der Kreativität.

Nicht von ungefähr war die Ausstellung der personfizierten Holzfiguren der Kinder und Jugendlichen aus den Schulen der Nachbarschaft dem Thema Was bin ich verbunden mit der zukünftigen Vorstellung was will ich sein in der Galerie des Kultushauses erste Plattform der Vorstellungen.

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