Ich kann natürlich keinen genauen Vergleich ziehen,  aber im Laufe  meiner Rezensionstätigkeit Neuer Musik für den Verlag Simon-BW war das Konzert des Neos Quartett vom 30.8 in der Brotfabrik Weissensee schlicht eine Offenbarung.  Komponieren – analog oder digital , hat der einzelne Komponist noch eine Zukunft?  fragte der R.T. b ei der Eröffnungsveranstaltung im Kulturhaus Friedrichshain. Die Diskussion lief auf die Frage zu, was Musik bewirkt. Der Einsatz technischer Mittel, so meisterhaft beherrscht von den digital natives, wie sie Gisela Nauck nannte, wurde auf seine  Möglichkeit, geprüft, Menschen zu berühren .

Das Neo Quartett, Danzig  zeigte in allen Formen und Facetten, wie das möglich ist und dass Neue Musik das heute besser kann, als die oft herbei gesehnte  neue Romantik. Aber Programm und Darbietung müssen zusammen kommen und harmonisieren. Nicht im Sinne eines Brückenbaus, sondern einer echten Beteiligung am modernen Musikleben bot das Neo Quartett ein Programm, das neue Seiten aufschlug. Dem deutschen Publikum, dem sehr oft nur Penderecki bekannt ist, bot Witold Lutoslawski  Streichquartett 1964 ein Stück von klassischer Schönheit und Kraft. Zeitgenössische Musik, die nicht nur heute gespielt wird, sondern über die Zeiten hinweg wirken und immer mehr Zuhörer finden wird.  Steel Stylianou, dieser leider bis jetzt  unbekannte Kreative, wenn auch eine richtige Berliner Pflanze mit britischen und östlichen Wurzeln, man hofft, mehr zu hören.

Der Höhepunkt des Abends war Art Oliver Simon, Parabeln für Streichquartett. Wenn man den jungen Komponisten Leidenschaft absprechen will , hier ist sie. Ungebärdig, mit heißem Temperament und tiefer Leidenschaft,  die Zerrissenheit der Moderne widerspiegelnd , verzweifelt und doch voller Hoffnung, ausufernd und doch gebändigt, und alles gespielt mit Leidenschaft, präzise (das muss schwierig gewesen sein) die Kraft bändigend und den Weg in die Herzen der Zuhörer findend. Es war der unbestreitbare Höhepunkt des Abends , begeistert  gefeiert von einem berührten Publikum in der freundlichen und für diese Musik den angemessenen Rahmen bietenden Brotfabrik. Kunst ist Lebensmittel steht als Motto über diesem Haus. Wie wahr, diese Musik trifft  mitten in unser Leben.  Wenn die Neue Musik einen Weg in die Herzen und Sinne seiner Zuhörer finden wird, dann mit dieser Musik und mit diesen  Künstlern. Das Programm wird am 23./24 November  2018 in Danzig wiederholt. Hinfahren !  Diese Musik hat Suchtpotential.

Robert Weiss